Erfahrungsbericht Elli

per E-Mail von Elli eingesandt am 23.08.2008

Hallo, ich bin Elli, bin 31 Jahre alt und möchte Euch von meiner Erfahrung berichten.
Ich bin mit meinem Freund schon seit über 5 Jahren zusammen, wir sind aber erst im Mai diesen Jahres in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Mein Freund hat immer gesagt, dass er keine Kinder will. Ich hab das jedoch nie wirklich für ernst genommen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand keiner Kinder möchte und im Alter lieber einsam und verlassen da sitzt.
Die Pille habe ich schon seit ca. 2 Jahre nicht mehr genommen, da ich mich nicht mit Hormonen vollstopfen wollte. Statt dessen haben wir mit Persona verhütet, was auch immer super gut geklappt hat bis zum Juni dieses Jahres. Ich war schon einige Tage überfällig, aber habe nicht im Traum dran gedacht schwanger zu sein. Meine Brüste haben extrem gespannt und irgendwie hatte ich ständig das Gefühl, das die Periode gleich einsetzen würde (ein Ziehen im Unterleib). Irgendwann war ich durch Zufall im Drogerie-Markt und hab dann einfach mal einen Schwangerschaftstest gekauft. Zu Hause hab ich ihn auch gleich gemacht und ich dachte ich fall aus allen Wolken...positiv...Nun musste ich erstmal auf meinen Freund warten, der gleich von der Arbeit kommen musste....
Was soll ich sagen? Begeistert war er nicht gerade...aber irgendwie haben wir in den nächsten Tagen beschlossen, dass wir das schon gemeinsam durchstehen werden. Und ich hab mich wahnsinnig gefreut. Endlich kam ich meinem Lebenstraum immer näher. Erst die neue Wohnung mit dem Mann, den ich liebe und nun ein Baby...ich werde bald eine kleine Familie haben, nach der ich mich so gesehnt habe. Mein Freund hat wenig über die Schwangerschaft und das Kind gesprochen, aber ich dachte, dass er sich schon an den Gedanken gewöhnen wird. Schließlich wollte mein Papa mich auch erst nicht haben und dann war ich sein ganzer Stolz...
Den Test hatte ich Freitags gemacht. Montag war ich dann gleich bei meiner FÄ. Sie bestätigte die Schwangerschaft, sagte was von ca. 7. Woche und dass das Ei ja schon da sitzten würde, wo es hingehöre. Sie war leider sehr gestresst und hatte mich nur zwischengeschoben. Daher habe ich einen Termin für 2 Wochen später bekommen, an dem dann Labor gemacht werden sollte, Mutterpass ausstellen usw.
Die zwei nächsten Wochen waren wohl die schönsten meines Lebens. So oft war ich mit meinen Freundinnen zusammen (einige davon auch junge Mütter) und am liebsten hätte ich gleich allen erzählt, das ich auch bald ein Baby haben werde. Es ist mir wirklich schwer gefallen, es für mich zu behalten und ich habe mir schon den letzten Tag der 12. SSW im Kalender vermerkt, der Tag an dem ich es allen sagen werde. Schließlich macht man das so. Warum ich keinen Alk trinke und warum ich nicht mehr rauche wurde ich gefragt, aber ich hab mir einfach ein paar Erklärungen einfallen lassen und anscheinend haben es auch alle geglaubt.
Auf den Termin bei der FÄ habe ich mich rießig gefreut. Endlich den blauen Mutterpass bekommen, meinen Mutterpass, so einen, wie ich ihn schon ehrfürchtig bei Freundinnen angesehen habe. Bei der FÄ hat die Sprechstundenhilfe erstmal alle notwenigen Laborsachen erledigt. Blutdruck war super, Urin war super, Eisenwert war super....Sie sagte noch "diese Prozedur machen wir jetzt immer, wenn sie bei uns sind"
dann kam ich zur Ärztin auf den Untersuchungsstuhl und sie sagte auf einmal "Oh eine leichte Blutungen, haben sie noch nichts bemerkt?" Nein hatte ich nicht. Dann sagte sie "Das wird wohl nichts mehr, aber ziehen sie sich erstmal an, wir reden dann"
Ich war wie gelähmt und hab mit den Tränen gekämpft, ich wusste einfach nicht was jetzt los war. Sie hat mir gleich eine Überweisung gegeben zur Ausschabung und meinte ich solle bei einer Klinik anrufen und dort einen Termin machen. Sie sagte noch "Normalerweise würde das von alleine abgehen, aber so lange braucht man nicht warten."
Ich bin wie in Trance aus der Praxis. Meinen Freund konnte ich nicht erreichen, also hab ich eine Freundin angerufen. Sie hatte schon 3 Fehlgeburten und ich wusste, das sie die Einzige sein würde, die mich versteht. Mittlerweile hat sie 2 gesunde Töchter und sie meinte gleich zu mir "Hab keine Angst, ich hatte auch bei meinen Töchtern Blutungen." Sie schlug mir vor zu ihrem Arzt zu gehen, einfach über die Strasse. Wir sind dann zu diesem Arzt und ich wurde auch gleich untersucht. Dr. K. sagte mir, es würde noch eine intakte Schwangerschaft vorliegen. Er hat mir Progesteron gespritzt und sagte ich solle mich zu Hause hinlegen. Er sagte es würde noch eine kleine Hoffnung bestehen. Irgendwie hab ich es geschafft zu Hause auch einzuschlafen. Als abends mein Freund nach Hause kam bin ich zur Toilette und plötzlich hat es angefangen zu bluten, es war furchbar viel. Ich hab nur noch geweint und gezittert. Wir sind dann ins Krankenhaus, zum Glück bei uns um die Ecke. Dort wurde ich gleich untersucht und stationär aufgenommen. Der Arzt im Krankenhaus sagte auch es würde noch eine intakte Schwangerschaft vorliegen, sie würden die Therapie mit Progesteron fortsetzen und strengste Bettruhe. Am nächsten Tag hat es den ganzen Tag über geblutet und ich war mir schon ziemlich sicher, das es nichts mehr werden würde. Ich durfte nicht auf Toilette, nur auf so einen Toilettenstuhl. Angeblich sollte alles aufgefangen werden, was raus kam, damit die Ärzte es sich ansehen können. Ich glaube aber nicht, dass sie das wirklich gemacht haben. Ich musste oft 2-3 Mal den Schwestern Bescheid geben, ehe der Stuhl endlich mal geleert wurde und ich habe auch oft gesagt, das da wohl nicht nur Blut, sondern auch viel Gewebe dabei wäre. Ein Arzt hat mich darauf aber nicht angesprochen. Am 3. Tag wurden wieder die HCG-Werte geprüft. Die waren im Vergleich zum Aufnahmetag drastisch abgesunken. Dann musste ich wieder zum US. Der Arzt, der mich auch bei der Aufnahme untersucht hat, hat den US gemacht und eine seiner Kolleginnen war anwesend. Er hat mit dem US-Gerät gearbeitet und seine Kollegin fragte dann "Nach was suchst du denn?" da war mir klar, da ist nichts mehr.
Noch am Abend des gleichen Tages wurde eine Ausschabung vorgenommen. Ich hatte so furchtbare Angst. Auf dem OP-Tisch vor der Narkose hab ich nur geweint und gezittert. Am nächsten Tag durfte ich nach Hause, das war der 12.07.2008.
 
Seit dem vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein Sternchen dachte. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht weine. Es tut so schlimm weh. Ich weiß nicht, ob das nur ist, weil es noch so frisch ist, oder ob es irgendwann man vorbei ist. Meine Freudin sagt, bei ihr hat es erst aufgehört weh zu tun, als sie ihre erste Tochter im Arm hatte. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dieses Gefühl auch einmal zu haben und ich habe schreckliche Angst davor, es nie erleben zu dürfen. Mein Freund möchte kein Kind, zumindest jetzt nicht. Ich will ihn nicht unter Druck setzen, ich liebe ihn viel zu sehr dafür. Aber ich kann seine Entscheidung nicht verstehen. Ich empfinde ein Kind als Krönung einer Liebe und niemals als Last, sondern nur als Gewinn. Ich wünsche mir so, das er mich in den Arm nimmt und mir verspricht immer für mich da zu sein und mir auch verspricht, das wir es in einem oder in zwei Jahren nochmal probieren. Das würde mir schon reichen. Aber ich hab so eine Angst, das es immer und immer wieder passiert. Ich versteh nicht, warum es bei so vielen Frauen immer alles so problemlos verläuft. Ein Mann der sie über alles liebt und ihnen das zeig, ihnen einen Antrag macht und dann als Krönung ein Kind mit einer problemlosen Schwangerschaft. Genau das, was ich mir wünsche. Bis dahin muss ich einfach weiter an mein Sternchen denken, das jetzt bestimmt als Schutzengel irgendwo da oben ist und auf mich aufpasst.
 
Viele Grüße
Elli

© Elli


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