Abschied nach *frühen* Verlusten (1)

Eure Rituale / Rückmeldungen (Seite 1)




Pia mailt:

"Wir haben drei Kinder, sechs, vier und drei Jahre alt.
Ich war nun insgesamt siebenmal schwanger, das erste Kind verlor ich sehr früh, etwa in der sechsten Schwangerschaftswoche. Damals war ich 17, dass ich schwanger war, wusste ich nicht, der Verlust traf mich nicht schwer...eher eine große Erleichterung.
Als der Große 9 Monate alt war, wurde ich schwanger...leider mit einem Windei. Knapp drei Monate später kündigte sich die Mittlere an. Und als die Mittlere acht Monate alt war, entschlossen wir uns zu Kind Nummer drei, es klappte prompt. Damit sollte unsere Familienplanung abgeschlossen sein, drei gesunde Kinder, unser ganzes Glück.
Ich ließ mir eine Spirale setzen...und wurde prompt schwanger. Die Spirale wurde gezogen, dabei wurde eine Fehlgeburt ausgelöst, ich verlor das Kind in der sechsten Schwangerschaftswoche. Auch dieser Verlust ging relativ spurlos an mir vorüber, der Jüngste war erst drei Monate alt, meine Familie forderte mich sehr, der Kinderwunsch war eigentlich nicht mehr da.
Als der Jüngste zwei Jahre alt war, meldete sich ein Stimmchen..."Eigentlich möchtest du doch noch ein Kind, die Familie ist nicht vollständig". Mein Mann sah das anders, seine rationellen Argumente (Geld, Platz) wogen weit schwerer, als meine emotionalen ("ich sehne mich"), letztendlich stimmte ich zu, überließ allerdings IHM die Verhütung, ER wollte schließlich kein Kind mehr.
Es kam, wie es kommen sollte, Weihnachten 2000 war die Lust größer als der Verstand und im Januar 2001 hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in Händen. Neben einem übermächtigem Glücksgefühl ergriffen mich auch Zweifel und Ängste...ist die Erfüllung eines Traumes tatsächlich erstrebenswert? Schaffe ich das Leben mit vier Kindern?
Ich bin ein optimistischer Mensch, ich liebe Kinder, das Pünktchen schlich sich in mein Herz und wurde warm empfangen. Ich war sehr glücklich.
Meinem Mann ging es schlecht. Unsere Kinder hatten eine gewisse Selbständigkeit erlernt, viele Aktivitäten waren wieder möglich...und nun wieder von vorne zu beginnen? Er tat sich schwer damit, unser Pünktchen anzunehmen.
In der achten Schwangerschaftswoche begannen die Schmierblutungen. Ein sofortiger Besuch beim Gynäkologen erbrachte garnichts, offensichtlich eine Blutung vor dem Muttermund, ein Herzschlag erkennbar..."Schonen Sie sich." Schonen mit drei kleinen Kindern ist nicht unbedingt leicht, ich versuchte mit der Einstellung "Wenn es bei uns leben möchte, dann muss es kämpfen" zu leben. Die Blutungen hörten nicht auf.
Wiederum ein Besuch beim Gynäkologen...und kein Herzschlag mehr feststellbar. Es war Mittwoch, ich sollte warten, ob die Fehlgeburt von allein losginge, anderenfalls sollte ich mich Montags darauf nochmals bei ihm vorstellen und würde ins Krankenhaus zur Ausschabung überwiesen.
Für mich brach eine Welt zusammen, vor allem, als ich die Erleichterung meines Mannes spürte.
Wir brachten die Kinder zu meinen Schwiegereltern und ich legte mich auf unser Bett, die Hände auf den Bauch, Abschied nehmen.
"Und jetzt kannst Du gehen, mein Kind.", sagte ich und unmittelbar darauf setzten Krämpfe ein und die Blutung wurde stärker.
Mein Mann war wieder zur Arbeit gefahren, ich rief ihn an und erklärte, dass die Fehlgeburt eingesetzt hatte, er versprach nach Hause zu kommen.
Die physischen Schmerzen waren erträglich, die psychischen ließen mich weinen und schreien...obwohl ich wußte, dass unser Kind tot war, flehte ich es an, doch noch bei mir zu bleiben, ich war wie von Sinnen.
Ich hatte mir eine dicke Binde vorgelegt, große, blutige Klumpen lösten sich aus mir. Mein Kind soll nicht in der Kanalisation landen, schwor ich mir und durchsuchte die Klumpen.
Ich fand unser Kind, etwa zweieinhalb Zentimeter groß und für meine Augen völlig unauffällig. Aber was weiß ich schon, ich kenne nur die Bilder von Lennart Nilson. Ich wickelte das Kleine in ein uraltes Spitzentuch meiner Uroma, saß weinend auf dem Bett, das blutige Päckchen in der Hand.
Wieder überkam mich ein Krampf und ein weiterer Klumpen drang nach außen.
Das Geschwisterchen meines Pünktchens lag in meiner Hand. Zwillinge! Davon wussten wir nichts. Zwei Kinder hatten mich verlassen.
Mein Mann kam nach Hause und nahm mich in den Arm. Wir lagen eine Stunde still auf dem Bett, unsere kleinen Kinder zwischen uns. Ich konnte ihm seine Erleichterung vergeben und er meinen Schmerz mitfühlen, wir kamen uns sehr nahe.
Ich fand Trost in der Vorstellung, dass mein Pünktchen nicht alleine sein konnte, Zwillinge haben sicher ein inniges Band, das sie zusammenhält.
Wir legten das Bündel in eine kleine Pappschachtel und mein Mann holte die Kinder bei seinen Eltern ab. Wir hatten beschlossen, die Pünktchen gemeinsam mit den Kinern im Garten zu begraben. Sie wussten, dass ich schwanger war, hatten sich auf das Geschwisterchen gefreut, sie sollten es verabschieden dürfen. Dass es zwei Babys waren wollten wir nicht erzählen, wir wollten sie nicht verunsichern, hatten wir doch von DEM Baby gesprochen.
Die Kinder kamen heim und wir erzählten, das unser Baby leider zu früh aus dem Bauch gekommen ist, viel zu klein, um leben zu können. Es ist gestorben und nun auf dem Weg in den Himmel.
"Dort kann es die Uroma suchen!" erklärte unser Großer. Auch darin fand ich überraschend viel Trost.
Der Große grub gemeinsam mit seinem Vater ein kleines Grab, die Mittlere legte das Päckchen in die Erde, der Große schaufelte das Loch wieder zu.
Danach gingen die Kinder zum Schaukeln.
Es war nicht feierlich, ich war nicht von Trauer zerissen, ich spürte eine große Dankbarkeit für meine lebenden Kinder.

Die Pünktchen liegen in der Ecke des Gartens, in der Nähe des Sandkastens.
Die Kinder zeigen Besuchern die Stelle und sagen, dass dort das Baby liegt, das zu klein zum Leben war. Letzten Sommer blühte die Ackerwinde an dieser Stelle besonders schön, im nächsten Frühling wollen wir Vergissmeinnicht säen.

Das Grab bedeutet mir nichts, aber ein kleiner, dumpfer Schmerz ist immer da. Wir reden nach wie vor sehr oft mit den Kindern über das Baby, auch ihre Verabeitung ist noch nicht abgeschlossen. Am 21. September haben wir eine Kerze angezündet, zur Erinnerung.
Gleichzeitig schrieb ich mir meine Trauer von der Seele:

"21. September.

ET steht im Kalender.

ET für Entbindungstermin.

Meine Pünktchen habe ich vor über einem halben Jahr hergeben müssen, trotz aller Vernunft und Gegenargumente zerriß es mich fast.

Heute bin ich voller Wehmut.

Ich gönne mir einen Tag der Traurigkeit und Sehnsucht. Und ein großes Nie Wieder.

Nie wieder werden wir im Bett liegen und uns fragen, ob in eben diesem Moment tief in meinem Bauch ein kleines, großes Wunder geschieht.
Nie wieder werde ich zwei Wochen lang jedes Zwicken und Zwacken im Bauch bang und freudig beobachten.
Nie wieder werde ich mit heißen Wangen in der Apotheke einen Schwangerschaftstest kaufen.
Nie wieder werde ich mit klopfendem Herzen, mit einem weißen Stäbchen in der Hand, dasitzen.
Nie wieder werde ich die Welle der Freude, die mir durch den Körper flutet, spüren, wenn sich zwei Felder färben.
Nie wieder vor dem Spiegel stehen und "Ich bin schwanger!" sagen.
Nie wieder "Herzlichen Glückwunsch!" vom Gynäkologen hören.
Nie wieder werde ich mich über ein Flimmern auf dem Ultraschall-Monitor freuen.
Nie wieder den Tag über die Kloschüssel gebeugt begrüssen.
Nie wieder werde ich mich über Gewichtszunahme freuen.
Nie wieder werde ich auf die ersten Flügelschläge im Bauch warten.
Nie wieder werden Christoph und ich fasziniert die kleinen Tritte und Knuffe aus dem Bauch beantworten.
Nie wieder werde ich den merkwürdigen Schmerz erfahren, wenn sich ein Fuß von unten in die Rippen bohrt.
Nie wieder werde ich mit 15 zusätzlichen Kilos im Bikini am Strand liegen.
Nie wieder werde ich mich über Körbchengröße D freuen.
Nie wieder werde ich meine Kleider gemeinsam mit Babykleidern in ein Köfferchen packen.
Nie wieder werde ich voller Ungeduld auf ziehende Schmerzen warten.
Nie wieder "Schatz, es geht los!" sagen.
Nie wieder werde ich vor Schmerzen gekrümmt geduldig auf und ab laufen.
Nie wieder den Satz "Vollständig eröffnet!" hören.
Nie wieder wird mich diese Woge der Kraft überrollen, bei der nichts anderes als Drücken, Pressen, Schieben hilft.
Nie wieder werde ich den reißenden Schmerz spüren, wenn sich ein Kind auf den Weg in die Welt macht.
Nie wieder einen ersten Schrei hören.
Nie wieder "Ist es gesund?" fragen.
Nie wieder alles um mich herum vergessen, nur erfüllt sein von dem Gewicht, dem Geruch, dem Gefühl, dem Anblick des auf meiner Brust liegenden Kindes.
Nie wieder wird Christoph eine Nabelschnur durchtrennen.
Nie wieder wird eine weitaufgesperrtes Mündchen zum ersten Mal andocken.
Nie wieder eine Nachgeburt gebären.
Nie wieder Nachwehen haben.
Nie wieder abwechselnd auf den Pobacken balancieren, weil eine Naht schmerzt.
Nie wieder die Mega-Maxi-Ultra-Doppel-Fett-Binden benutzen.
Nie wieder die Nase im Nacken meines Babys vergraben.
Nie wieder darf Christoph Mekonium von einem Babypo kratzen.
Nie wieder werden mir meine Kinder so nah sein, wie in den ersten Tagen, nachts, beim Stillen.
Nie wieder.

Heute bin ich traurig, morgen freue ich mich auf ein Leben mit großen Kindern."

Wir werden keine weiteren Kinder mehr begrüßen, denn wir haben uns für eine Vasektomie entschieden. Vor vier Monaten war die Operation...und wenn sich jetzt eine spontane Refertilisation ergibt...und sich doch noch ein Kind anmeldet...dann soll es so sein.
Und die Pünktchen bleiben in meinem Herzen...

liebe Grüße,

Pia"


Sandra_ Sis schreibt:

"Hallo Ihr Lieben,

ich will mal versuchen, unsere Abschiedsrituale in Worte zu fassen.
Mara, damals noch Pünktchen, ging im Dezember 2000 in der 8.SSW. Das lang ersehnte Wunschkind hatte keinen Herzschlag. Es folgte eine entwürdigende Behandlung im Krankenhaus mit Ausschabung und anschließender bodenloser Trauer. Damals habe ich dieses Forum entdeckt und habe wieder Halt gefunden. DANKE! Auch hier habe ich von dem indianischen Federritual gelesen. Als wir 3 Monate später an die Nordsee fuhren, fand ich bei einem Spaziergang eine wunderschöne lange Feder und mir fiel es wieder ein. Mara bekam auch dort ihren Namen. Sie wurde an der Nordsee gezeugt. Sie kam vom Meer und ging wieder zu ihm...mare...Mara. Ich war mir auch plötzlich so sicher, dass Pünktchen ein Mädchen war. Es war so schlüssig.
An einem einsamen Stück weit draußen fanden wir eine schöne Düne. Dort haben wir die Feder in den Sand gesteckt. Ich habe noch Muscheln und Steine dazugelegt, die ich gesammelt hatte. In einem sehr tiefen Moment haben wir dort Abschied genommen.
Michels Feder fand ich bei dem Spaziergang am Tag vor seinem Abschied. Wir wußten, dass es nicht bei uns bleiben konnte (Eileiterss). Die Feder habe ich aufbewahrt für den "richtigen" Moment. Dieser kam einige Wochen später auf Mallorca. Wir waren unterwegs auf einer wilden Klippe. An einem Punkt mit wunderschöner Aussicht haben wir die Feder in einem großen Felsbrocken gesteckt. Wieder ein unvergessener Abschied.
Diese Federn begleiten mich seitdem. Ich habe noch nie so viele Federn an den unmöglichsten Stellen gefunden wie in den letzten Monaten. Das wäre fast schon was für die Diskussion über die "Dinge zwischen Himmel und Erde", die hier gerade läuft.
Ich habe sogar ein Gedicht dazu geschrieben. Sowas habe ich vorher noch nie gemacht.
Hier bei uns zuhause gibt es auch Erinnerungsorte. An meinem Fenster hängt ein Silberstern für Mara und ein Glasmond für Michel. Eine Freundin von mir hat mir eine wunderschöne Postkarte zu Maras Tod geschickt. Diese habe ich aufgestellt, und sie gibt mir immer wieder Trost.
Diese Rituale und Erinnerungsorte finde ich ungemein wichtig. Leider ist es oft so, dass man damit auf Unverständnis stößt oder gerade beim ersten Verlust so von der Trauer überrannt wird, dass man daran erst gar nicht denkt.

Alles Liebe für Euch
Sandra"

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"wenn du magst, kannst du meine geschichte so weiter geben. mittlerweile habe ich zwei dänemarkkiesel für meine sternenkinder fertig gemacht, die ihren platz in unserem pflanzkasten gefunden haben. auf wunsch kann ich dir die fotos mailen."


Dörte mailt:

"Tja, auch ich musste mich leider viel zu früh von Krümmelchen wieder trennen.
Kein Mutterpass, da meine FA meinte, den bräuchte ich wohl nun nicht mehr.
Nun ja, ein Ultraschallbild aus der 8. Woche ist mit geblieben. Nicht viel!!
Da ich lange daran "gekaut" habe, was mit Krümmelchen passiert ist, da ich ja keine Grabstelle habe, nach der AS (mein Gedanke war Mülleimer auf, Krümmelchen rein, Mülleimer zu) schrecklich diese Vorstellung, bin ich nochmals zum KH und habe mich damit "beruhigen" lassen, das Krümmelchen irgendwo in einer Urne mit beigesetzt ist.
Half mir aber nicht wirklich, da ich ja nicht wusste wo!!
Somit habe ich für Krümmelchen auf meinem Bücherregal eine Tonvase stehen, in der ich an jedem 23. eines Monats eine Rose hineinstelle und langsam eintrocknen lasse.
Viele Verstehen das zwar nicht aber die haben einen sollchen Verlust auch noch nicht mitmachen müssen."


Lika mailt:

"Gestern haben wir das "Blubb" Mutter Erde zurückgegeben.

Ich hatte zwar die FG (in der 12. SSW, aber Entwicklungsstand lediglich ca. 6./7. SSW) bereits Anfang September, aber wir haben das Nest und was vom "Blubb" übrigblieb, erstmal ganz pragmatisch im Tiefkühler aufgehoben, bis ir uns (jetzt) bereit fühlten, es zurück zu geben.

Egal wie lange und was da war: Eine Seele war gelandet, die durch Liebe gerufen wurde, jedoch nicht lange bleiben wollte/konnte und ihr gebührte ein würdevoller Abschied.

Ich habe mir das würstchenähnliche, nur 3cm grosse Nest nochmal genau angeschaut, bevor ich es in eine winzige, ungefähr 5cm hohe Tonamphore gegeben habe. Diese haben wir ganz spontan mit einer Muschel und etwas Kerzenwachs verschlossen.

Mein Mann hat in einen Naturgranitstein, den wir vor Jahren in einem Schottlandurlaub gefunden hatten, einen Stern eingraviert und in die Mitte des Sterns 3 Pünktchen.
3 deshalb, weil das "Blubb" an der gleichen Stelle in Mutter Erde zurückkehren sollte wie die beiden Mondkinder im vorigen Jahr.

Wir haben ein Räucherstäbchen, eine Grabkerze und einen winzigen Blumenstrauss aus der allerletzten weissen Rose im Garten und einigen Blüten Kapuzinerkresse mitgenommen und an einem kleinen Fluss mitten im Naturschutzgebiet unter einem Walnussbaum, der auf den Fluss blickt und an dessen Fuss ein Holunderbusch wächst - genau darunter haben wir neben den Mondkindern das Blubb verabschiedet.

Wir haben die Amphore in unser beide Hände genommen und die Hände schützend darum gelegt, bevor wir die Amphore in das kleine, ausgehobene Loch stellten. Die Kerze und das Räucherstäbchen brannten, als wir einige von uns beiden individuell aufgeschriebene Abschiedsworte vorlasen, gemeinsam mit Erde die Amphore zuschütteten, mit dem Stein bedeckten und schweigend noch einige Minuten am Abschiedsort verbrachten.
Ich konnte mich kaum trennen, gleichzeitig sah ich diesen Ort und erinnerte mich an die glücklichen Wochen der vergangenen Schwangerschaft.

Wir hoffen beide, dass wir diesen Ort zu diesem Zwecke nicht noch öfter besuchen müssen.

Ich empfinde diesen Ort unterm Hollerbusch am Walnussbaum nicht als Grab, eher als Stätte der Erinnerung.

Vielleicht wird irgendwann der frei mäandrierende Fluss seine Kurve am Walnussbaum weiter aushöhlen und selbigen zu Fall bringen. Dann gibts diesen Ort nicht mehr und die Natur hat ihren Lauf genommen.

Meine Sternenkinder haben dennoch ihre unauslöschliche Spur in meinem Leben gezogen. Ihre Seelen haben mich berührt, mich ausgesucht, auch wenn sie nur kurz bleiben wollten.

Manche brauchen für die Erfahrungen, die sie machen sollen, wenige Stunden, Tage oder Wochen, für andere reichen 100 Jahre nicht.

Wenn ich den Verlust (auch meiner guten Hoffnung) ausgetrauert habe, werde ich mit dieser zutiefst grundlegenden Wahrheit bestimmt in Frieden leben können."


Bernadette mailt:

"Ein Stern ging auf

Vor ca. 9 bis 10 Wochen begann in meinem Bauch ein
kleiner Stern zu leuchten. Dieses Leuchten erfüllte
Hubert und mich mit tiefer Freude, Erwartungen,
Liebe, Neugier und neuen Lebensplänen.
Viel zu früh, ist der kleine Stern wieder untergegangen.
Jetzt ist er erloschen, wir wissen nicht warum?
Es bleibt ein Leuchten in unserem Herzen, dass nie
ganz erlöschen wird, und eine unendlich tiefe Traurigkeit.

Das war unsere Todesanzeige die wir an Freunde verschickt haben."

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"Abschiedsritual von unserem kleinen Stern der am 16.12.2000 meinen schützenden Bauch verlassen hat.
31.12.2000
kurz vor Mitternacht mit unseren Freunden Michaela und Wolfgang, Evi, Stefan, Pia, und unseren beiden Kindern Julia und Emil.

Bevor wie dieses kleine Ritual machen, frage ich unsere Freunde, ob sie damit einverstanden sind.

Im Freien:

Kreis – Mitte – mit Tuch und Kerze und Teelichtern gestalten – ein Teelicht für jede Woche die unser kleiner Stern gelebt hat.

Bernadette: Mir ist es wichtig, dass das Baby nicht nur in meinem Bauch existiert hat, sondern dass auch andere Menschen von seiner Existenz wissen, genau so wichtig ist mir auch, dass ich mich bewusst verabschieden kann.
Normalerweise gibt es dafür ein Begräbnis, dass war aber uns nicht möglich.
Danke, dass ihr bereit seid, mit mir und Hubert, ein kleines Abschiedsritual Zu machen:

Brief – denn ich an das Baby geschrieben habe, nachdem es tot war. Hubert vorlesen

Ubi caritas – et amor singen ! (Wolfgang bitte anstimmen)

Gebet: aus Gute Hoffnung – Jähes Ende S. 331 Bernadette

Lied: Tears in Heaven
Als Zeichen für die neun Wochen zünden wir neuen Sternspritzer an, und lassen das Lied spielen von CD

Dankgebet v. Bernadette: Lothrop: Seite 330

Unvorbereitet traf uns dieser Tod.
Mit dem toten Baby stehen wir da, und wissen nicht was das alles soll.
Wir suchen nach Trost, nach tröstlichen Gedanken.
Nur eins bleibt uns,
und wir sagen es stockend und doch von Herzen:
Wir danken dir , dass dieses Kind 9 Wochen in meinem Bauch wuchs.
Wir danken dir für die Erfahrungen, die wir während der Schwangerschaft
Auch wenn sie kurz war, gemacht haben,
für manche Entscheidung die viel,
für die Stunden des Glücks, für alle Hoffnungen und Träume.
Dafür wollen wir danken – ohne Wenn und Aber.
Und wir bitten dich , Gott, nimm unser Kind auf in dein Reich,
umhülle es sanft, und lasse es bei dir geborgen sein.
Amen!

Alle erhalten eine kleine Urkunde – als Existenzbeweis unsers kleinen Sterns"

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"jedes Leben ist in der tat
einzigartig und
ein geschenk
egal wie kurz
egal wie zerbrechlich
jedes leben ist ein geschenk
welches für immer
in unseren herzen weiterleben wird

Kleiner Stern – mit uns gelebt von
Oktober – Dezember 2000
untergegangen 16.12. 2000

Wir werden dich nie vergessen !
MamaBernadette – Papa Hubert

wir wissen dass nichts verloren ist !"



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letzte Aktualisierung dieser Seite: 2009-11-26, 17:24 Uhr

© Constanze Tofahrn-Lange, Wangerooge
2001 - 2012


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