Trinka schreibt:
"Ich hatte innerhalb von 4 Monaten 2 Fehlgeburten und bin nach der zweiten FG gleich wieder schwanger geworden.
Die zweite FG war für mich noch schlimmer als die Erste, da diese Schwangerschaft auch "offiziell" war.
Ich hatte einen Mutterpass, ein Bild von meinem Baby und ich sah sein kleines Herz schlagen.
Ich habe es schon so geliebt.
Ende der 7. SSW, Anfang der 8. SSW hatte ich dann nach vorangegangenen Blutungen einen MA.
Ich weiß nicht warum, aber ich wußte schon am Tag vor der Diagnose, dass ich dieses Kind nie kennenlernen werde.
Es tut immer noch weh. Und ich habe mich selten in meinem Leben so allein gefühlt!
Ich denke bei Verlusten in dieser frühen Phase ist es am schwersten für Außenstehende, diesen Schmerz zu akzeptieren.
"Es war doch noch kein richtiges Kind..."
Nach der OP (Ich mag das Wort "Ausschabung" nicht) war ich allein mit mir. Ich habe mich so leer gefühlt, so nutzlos und ich habe mich und meinen Körper gehaßt. Ich hatte nur meine Zwillinge, die haben mich gebraucht und mein Mann war fast 1000 km weit weg.
Niemand hat mich verstanden, viele haben sich nicht einmal Mühe gegeben mich zu verstehen.
Eine Woche nach dem Tod meines Kindes habe ich meinen Balkon begrünt. Es wurde Frühling und ich wollte das Gefühl haben, wenigstens ein bißchen Leben zu schaffen. Seitdem steht auch eine Hängeweide auf meinem Balkon. Sie erinnert mich immer an dieses Kind, dass ich nie haben durfte!
Ich liebe diesen Baum. Zugleich markiert er auch den Beginn eines neuen Lebens. Denn mein totes Kind hat noch einen Bruder bekommen. Es wurde mir klar, das es diesen "Kreislauf des Lebens" wirklich gibt. Ohne sein Geschwister würde es Phillip heute nicht geben. Ohne dieses Kind könnte ich meinen Baum nicht beim Wachsen beobachten. UNd es erstaunt mich wirklich, um wievieles größer dieser Baum schon geworden ist.
Ich habe einen Abschiedsbrief an mein Baby geschrieben. Dieser liegt mitsamt dem Mutterpass und dem Ultraschallbild in meinem Schrank. Auch der Schwangerschaftstest, mit dem sich mein kleiner *Plumps* damals ankündigte, existiert noch.
Aber Dreh- und Angelpunkt in meiner Trauer und meiner Erinnerung ist diese Weide.
Immer um den Todestag herum, beginnen die ersten Weidenkätzchen zu blühen. Es ist wie ein Zeichen...
Es tut gut zu sehen, wie das Leben weiter geht. Und so blöd wie das klingt, ich bin dankbar für diese Erfahrung.
Es hat mir den Wert des Lebens gezeigt.
Der Schmerz ist weg. Geblieben sind ein wenig Trauer und Wehmut und wie gesagt Dankbarkeit."
Margit mailt:
"Ich habe unser 2. Kind im Juni 1999 am Ende der 7. Schwangerschaftswoche verloren.
Ein großes Problem war für mich, daß ich lange das Gefühl hatte, alles sei nur ein böser Traum, denn außer meinen Erinnerungen und meinem Schmerz gibt es keine Spuren, die unser Kind hinterlassen hat: keine Eintragung im Mutterpaß, kein Ultraschallbild, keine Fruchtblase, nichts...
So war auch die Trauer, die ich empfand, für die anderen Menschen um mich herum nicht nachvollziehbar. Und eigentlich gestand ich selber mir die Trauer auch nicht zu, denn "frühe FG's sind schließlich häufig" und "andere Frauen machen ja auch nicht so ein Theater drum".
So hat es eine Weile gedauert, bis ich zu meiner Trauer stehen konnte.
Wirklich sehr viel geholfen hat mir dabei der Austausch mit anderen Betroffenen.
Zur Trauerarbeit habe ich außerdem mein Schwangerschaftstagebuch fortgeführt, habe Gedichte geschrieben, gesungen, Musik gehört und gemalt. Das alles habe ich in einem Album gesammelt und dort auch Texte, Gedanken oder Gedichte von anderen dazugeheftet. In dieser Zeit war mein Kind gedanklich stets bei mir und ich habe auch viel mit ihm gesprochen.
Ich habe dann auch nachträglich so was wie ein kleines Grab gestaltet:
einen Blumentopf mit einem kleinen Efeu, der um eine Kerze rankt.
Dieser Blumentopf mit Namen und Sterbedatum unseres Kindes steht in unserem Wohnzimmer auf der Fensterbank und kommt sonntags und an besonderen Tagen mit zu uns an den Eßtisch.
Am errechneten Geburtstermin habe ich dann nochmal ganz bewußt Abschied genommen: mit meinem Mann und meinem Sohn zusammen habe ich ein kleines Segelboot gebastelt. Mein Mann hat das kleine Schiff gebaut, mein Sohn hat ein Bild gemalt, das wir als Planken verwendet haben und ich habe die Segel gemacht und darauf ein Gedicht geschrieben. Das war ein sehr friedliches, heilsames Miteinander, das mir sehr gut getan hat.
Dieses kleine Schiff ließen wir dann am selben Tag davonfahren.
Mit diesem davonsegelnden Boot konnte ich irgendwie loslassen. Sehr bald danach bin ich wieder schwanger geworden und unser Kleiner ist nun schon 2 1/2 Jahre alt.
Für die Zukunft wünsche ich mir noch einen Schmetterlingsflieder im Garten ... als kleines Symbol, damit unser 2. Kind auch hier seinen Platz hat ..."
Tina MM schreibt:
"ich möchte gerne ein paar Möglichkeiten erwähnen,
die die Erinnerung an unsere Babys erhalten.
Ich gehöre zwar nicht zu den Frauen,
die ihre Babys in der Frühschwangerschaft verloren haben,
aber dennoch ein paar Anregungen.
Meine wenigen Erinnerungen habe ich auch,
wie viele vor mir schon geschrieben haben,
in einer kleinen Schachtel zusammengetragen.
Hier sind Fotos,
Söckchen, die ich schon gekauft hatte,
der Mutterpass,
die Untersuchungsergebnisse,
Blätter von der Rose, die ich mit zur Urne gegeben hatte,
eine kleine vertrocknete Sonnenblume,
die ich gepflanzt hatte als Karim noch bei mir war.
Was ich schon die ganze Zeit machen wollte,
ist ein Kerze,
mit seinem Namen und seinen Daten.
Aber bis heute habe ich dies noch nicht geschaft.
Ich denke ich bin noch nicht soweit.
Das pflanzen eines Baumes,
finde ich eine tolle Idee,
doch haben wir leider keinen eigene Garten."
Andrea mailt:
"Abschiednehmen fällt immer schwer!!
Es begann für mich im Juli 2001. Eine Arbeitskollegin sah mich etwas prüfend an und als ich fragte, ob etwas nicht stimmte, fragte sie:"Kann es sein dass du schwanger bist?" Ich und schwanger? Ich hatte immer geglaubt, dass das bei mir ganz unmöglich wäre, immerhin hatte ich damals 50 kg Übergewicht und mehrmals gelesen, dass es dann nicht sehr leicht ist schwanger zu werden. Meine Kollegin lachte nur und brachte mir am nächsten Tag einen Test mit. Mittlerweile hatte mich eine freudige Erregung ergriffen - vielleicht ja doch?!
Zu Hause machte ich dann diesen Test - und siehe da, es hatte tatsächlich "geschnackelt". Was für eine Freude für mich und meinen damaligen Freund ( heute sind wir seit 14 Monaten verheiratet). Mein Partner begann sogleich zu planen, Waschmaschine kaufen und Kinderwagen aussuchen. Ich habe ihn gebremst und ihn gebeten erst ab ca dem 6. Monat damit zu beginnen.
Ich bin immer sehr gerne zu den Vorsorgeuntersuchungen gegangen und ich werde nie den Moment vergessen, als ich das Herzchen schlagen sah oder die ersten Bewegungen erkennen konnte. Jedes Ultaschallbild wurde wieder und wieder betrachtet - welch ein Wunder!!
In der 8.SSW begannen bei mir die ersten gesundheitlichen Schwierigkeiten - Gelenksentzündungen - Verdacht auf Rheuma. Durch die Schmerzen stieg der Blutdruck immer weiter an und die Medikamente mußten erhöht werden. Leider gibt es nicht sehr viele Blutdrucksenker die man in der Schwangerschaft nehmen darf, meine Hilfe war ein Betablocker. Ein paar Tage später kam ein sehr starker Husten dazu - Ursache unbekannt. Leider war dieser Husten Ursache für einen Blasensprung in der 14 SSW. Ich merkte allerdings nur einen stechenden Schmerz und kurze Zeit später begannen leichte Blutungen. Sofortige Überweisung ins KKH und schonen. Nach zwei Tagen nach einer Diazepham-Spritze setzten massive Blutungen ein - nur noch liegen mit erhöhtem Fußteil - doch es hörte nicht auf. Jeden Morgen sprach ich mit dem Baby und machte uns Mut, wieder eine Nacht überstanden. Bei der Visite sprach ich mit dem Professor und er sagte:"Wenn sie ihr Kind behalten ist es ein Wunder." Ich kämpfte weiter, denn mir stand nun endlich auch mal ein Wunder zu ( nach körperlichem und sexuellem Mißbrauch in der Kindheit ). Weitere drei Tage später hatte ich keine Kraft mehr zu kämpfen. Ich spürte schon seit den frühen Morgenstunden Wehen trotz Magnesiumtropf rund um die Uhr. Am frühen Nachmittag kam meine Frauenärztin und riss erschrocken ihre Augen auf, sie konnte das Baby nicht mehr halten . Ich entschied mich sehr schnell die Wehen voranzutreiben und bekam einen Wehentropf. Nur nach einer Stunde verlor ich unter Narkose unser Schmetterlingskind.Ich wurde informiert, dass nach einem Abort grundsätzlich eine Obduktion vorgenommen wird.
Ich erfuhr dadurch, dass es ein Mädchen war und dass sie kerngesund war. Ansonsten wurde ich alleine gelassen.
Das ist nun schon lange her. Unsere Sophia-Oluwaranti verließ uns am 03.10.2001. Ich wußte gar nicht, was ich jetzt machen sollte, beerdigen konnte ich sie nicht und wo kommen Babys nach der Obduktion hin? Ich bekam nur von allen Seiten zu hören, dass es besser war, dass ich sie nicht gesehen habe. Außerdem gab man mir nach zwei Wochen zu verstehen, dass jetzt doch wohl genug Trübsal geblasen wurde. Ich schob das ganze Ereignis in eine Ecke in meinem Herzen und schloß sie ab.
Ich begann wieder wie wild zu essen - ich wollte doch meinen Bauch wachsen sehen. So kam es, dass ich nach nur zwei Monaten meinen Erfolg von der Schwangerschaft ( 11kg weniger ) zunichte gemacht hatte und noch viel mehr Gewicht dazu. So kam es dazu, dass ich zu einem langen und immer noch andauerdem KKH-aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik geschickt wurde.
Meine Therapeutin erkannte schon nach dem Aufnahmegespräch, dass die FG die Ursache für meine massive Gewichtszunahme und unserer ungewollten Kinderlosigkeit ist. Sie ermutigte mich immer wieder mich meiner Trauer zu stellen und gab mir Anregungen zu Abschiedsritualen.
Ich verabschiedete mich auf folgende Weise:
Ich schaute mir zunächst immer mal wieder die Erinnerungsstücke an, die ich in einem Geschenkkarton gesammelt hatte. nach vier Wochen nahm ich mir einen Klumpen Ton und bildete einen Embryo nach, ungefähr so groß wie sie zum Schluß war ( 14,4 cm ). Nun nahm ich mir nochmal eine Woche Zeit und streichelte sie mehrmals täglich oder hielt sie einfach nur in der Hand. Dann legte ich sie in den Karton mit allen Erinnerungsstücken und brachte sie zusammen mit meinem Mann zum Friedhof, auf dem schon meine Mutter und meine Schwester begraben liegen. Wir gruben unterhalb der Grabplatte ein Loch und legten sie hinein. Mein Mann sprach ein Gebet und sang ein Lied in seiner Muttersprache ( Yoruba ). Dann pflanzten wir drei Blumen ( wir lieben dich ) darauf und zündeten eine Kerze an.
Natürlich fühle ich immer noch den Schmerz des Verlustes, aber es wird ganz langsam leichter. Ich weiß, dass meine Mutter und meine Schwester für sie da sind - sie ist nicht alleine.
Und sie ist immer in unserem Herzen!!!
Ich wünsche Euch allen ein Ritual zu finden, was Eurem Herzen entspringt und das euch hilft den Schmerz zu minimieren. Ich fühle mit Euch und wünsche Euch von Herzen alles Gute!!
Andrea"
Nicole mailt:
"Liebe Conni,
für uns begann alles im Mai 2000. Es fiel der Entschluss wir wollen ein Kind.
Leider wollte sich keine Schwangerschaft einstellen. Wir probierten alles aus von Homöopathie bis zur Schulmedizin. Nach drei Jahren und vielen Tiefschlägen stellte sich endlich die lang ersehnte SS ein und wir bekamen einen gesunden kleinen Jungen.
Zu Beginn des Jahres 2004 entschlossen wir uns, es noch einmal aber ohne "Profihilfe" zu versuchen.Und es passierte das völlig unerwartete ich wurde relativ schnell schwanger. Und wir waren so stolz und so glücklich!
Bei einer Routinekontrolluntersuchung in der 8. SSW stellte meine Gynäkologin fest, dass unser Engelchen sich nicht weiter entwickelt hatte und es keinen Herzschlag gab. Aus der Traum! Es war einfach schrecklich, als ob ein Fallbeil mir den Kopf vom Rumpf abgetrennt hätte. Und dann schlug einfach alles über mir zusammen.Innerhalb von 24 Stunden war ich in der Klinik und bekam meine Ausschabung(ich fühlte mich im Anschluss wie eine hohle Nuss). Die Zeit davor und danach habe ich nur im Nebel wahr genommen.
Es stellte sich immer mehr das Gefühl ein, dass mir ein Abschied fehlte.
Dann kam uns die Idee ein Abschiedsritual zu gestalten und im Zuge dessen traf ich auch auf Deine Internetseite.
Im Juni verbrachten wir eine Woche mit unserer Familie auf Sylt. Und da in diese Zeit der erste Monatstag fiel, wollten wir hier unser Abschiedsritual durchführen.
Leider hatte unsere Familie kein wirkliches verständnis für unsere Trauer oder sie haben sich einfach nur nicht getraut, auf uns zu zugehen.
Eine Freundin hatte mir für unser Ritual einen kleinen Kokon gefilzt, der mit Seidentüll ausgelegt war. In diesen taten wir das letzte Ultraschallfoto unseres Engels und drei Rosenköpfe(einen von meinem Mann, einem von unserem Sohn und einen von mir). Da wir den Mittagsschlaf unseres Kindes abwarten wollten, hatten mein Mann und ich die Gelegenheit in Ruhe alles vorzubereiten. Und dann saßen wir mit dem gefüllten Kokon auf dem Arm im Wohnzimmer und hatten auf einmal die Möglichkeit unser Baby im Arm zu halten. Wir haben ohne Ende geweint und es hat so gut getan!
Als unser Sohn aufwachte, sind wir mit ihm an die Südspitze von Sylt gefahren und haben dort in den Dünen unseren Engel begraben. Felix hat fleissig mitgeholfen und so war es dort eher anstrengend für uns. Allerdings brachte uns Felix auch zum Lachen und das zeigte uns, dass es doch irgendwie weitergehen wird.
Als wir ein paar Tage später dort noch einen Spaziergang unternahmen, haben wir Seehunde in der offenen See relativ strandnah gesehen. Und nun wissen wir, dass diese auf unseren kleinen Engel gut aufpassen werden.
Wir werden unseren Engel sicher niemals vergessen, um aber etwas wirkliches von ihm zu behalten, haben wir uns Ringe mit der Gravur Engelchen machen lassen.
Ich hoffe, dass Ihr alle ein Ritual findet, dass Euch die Kraft gibt weiter zu machen und ein wenig innere Ruhe zu finden!"
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letzte Aktualisierung dieser Seite: 2009-11-26, 17:34 Uhr
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