Erfahrungsbericht Kissy
per E-Mail von Kissy eingesandt am 04.01.2006
Es fing, glaube ich, an wie bei jeder Frau mit Kinderwunsch. Mein Sohn würde in ein paar Monaten 5 werden und nach langer Überlegung beschlossen mein Mann und ich noch ein Kind zu bekommen.
Es dauerte nach diesem Entschluß ca. 2 Wochen als ich feststellte das meine Menstruation ausblieb. Die Freude war unendlich groß vor allem auch darüber das es so schnell geklappt hat. Nach einer Woche machte ich dann den Schwangerschaftstest. Dieser war dann auch positiv. Ich konnte mein Glück und meine Freude kaum glauben. Ich war den ganzen Tag lang wie in Trance.
Am nächsten Tag ging ich dann zum Frauenarzt um mir die Bestätigung zu holen. Nach den üblichen Routinesachen wurde dann auch ein Ultraschall gemacht. Mein Frauenarzt schaute etwas kritisch auf den Monitor und meinte dann nur "eigentlich müssten sie in der siebten Woche sein, aber nach dem was ich hier sehe sind sie entweder erst in der fünften Wochen oder es liegt eine Entwicklungsstörung vor. Ich glaube allerdings das sie erst in der fünften Woche sind. Entwicklungsstörung wäre sehr unwahrscheinlich."
Mit gemischten Gefühlen fuhr ich nachhause. Einerseits die Freude über die Schwangerschaft aber andererseits hatte er ja was von Entwicklungsstörung gesagt. Dieses Wort geisterte mir noch tagelang im Kopf herum. Was wenn es wirklich so ist? Ich konnte den nächsten Termin, der in 14 Tagen sein sollte, kaum noch erwarten. Hoffentlich ist alles gut.
Zwei Wochen lang hatte ich nur den einen Gedanken, hoffentlich schlägt das Herz, hoffentlich ist alles gut. Als ich dann nach 14 Tagen wieder dort war, sagte mein Frauenazrt: "Also sie sind jetzt erst in der 7. Woche und dort kann ich auch ein Herz erkennen. Aber ich rechne lieber noch mal drei Tage zurück, ich glaube dann kommen wir genau hin." Ich war sehr erleichtert, ein Herz man kann ein Herz sehen, also wird alles gut. Es folgten noch zwei weitere Ultraschalltermine die eigentlich auf ein gutes Ende hoffen ließen. Ich war eigentlich glücklich, aber doch blieb ein komisches Gefühl.
Ich hatte immer mal wieder Schmierblutungen zwischendurch, rannte ständig zum Frauenarzt bekam aber immer wieder die Antwort das alles gut wäre. So kam dann Weihnachten. Eigentlich ein schönes Fest, wäre da nicht so ein komisches ziehen und das plötzliche Verschwinden der Übelkeit. Ich tat das alles als normal ab (Mutterbänder und beginn der 12. Woche) wird schon alles o.k. sein. Ein Tag nach Weihnachten besuchte ich wieder den Frauenarzt. Schmerzen beim Wasserlassen bräunlicher Ausfluss. Wieder wurde ich mit dem Satz "nix schlimmes" nach Hause geschickt. (Es handelte sich hierbei um den Notdienst Frauenarzt). Ich ging nachhause und bereitete den Geburtstag meines Sohnes vor, der zwei Tage später war.
Am Morgen des Geburtstages war Kuchenbacken und Einkaufen angesagt. Ich sagte dann zu meinem Mann ich müsste mich noch mal hinlegen irgendwie gehts mir nicht gut. Konnte Allerdings nicht sagen warum. Als ich eine Stunde später Aufstand um zur Toilette zu gehen bekam ich einen Schock. Das Braun hatte sich inzwischen in helles Rot verwandelt. Aber nicht sehr viel, eigentlich nicht besorgniserregend. Das komische Gefühl in der Magengegend lies mich dann doch in die Frauenklinik fahren.
Dort wurde ich erst mal in den Kreissaal verfrachtet und untersucht. Außer ein "na ja" und "hm" bekam ich nichts zuhören, ich müsste warten bis der Arzt einen Platz im Ultraschall frei hat. Dieses warten dauerte zwei Stunden. Die Blutungen wurden immer stärker. Inzwischen kamen auch etwas dickere Stückchen mit raus und langsam machte ich mir doch Sorgen (Hatte in der ersten Schwangerschaft auch Blutungen und dachte es wäre wieder so etwas). Aber solche Blutungen hatte ich in der ersten Schwangerschaft doch nicht. Die Hebammen vertrösteten mich ständig, der Arzt kommt ja gleich, nur keine Panik.
Dann endlich war es soweit, auf zum Ultraschall. Wie gebannt schaute ich auf den Monitor. Der erste Gedanke der mir kam war: Wieso sehe ich das Herz nicht, wo ist das Herz. Die Ärztin presste die Lippen zusammen und sagte nichts. "Es lebt nicht mehr, oder?" Kam es gequält aus meinem Mund. Die Ärztin bestätigte meinen Verdacht mit einem kurzen Nicken und sagte, es tut mir sehr leid.
In diesem Moment brach die Welt aus den Fugen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Ich wünschte mir sosehr das mein Mann da wäre, aber er musste ja die Geburtstagsgäste meines Sohnes hüten. "Der Oberarzt muss es sich noch mal ansehen" , hörte ich die Ärztin sagen. Daraufhin folgte eine halbe Stunde Ultraschall. Es kam mir vor wie Tage die ganze Zeit sah ich das Tote Kind auf dem Monitor, mein totes Kind. Es war furchtbar.
Danach folgte eine Untersuchung wobei festgestellt wurde das der Muttermund sich öffnete und ich noch am selben Abend eine Ausschabung haben müsste. Ich wurde über die Operation aufgeklärt konnte dem Arzt aber keine Sekunde zuhören, immer wieder kamen die Bilder meines toten Kindes vor meine Augen.
Es dauerte zwei Stunden bis ich wieder sprechen konnte und meinem Mann die schreckliche Nachricht mitteilte. Er kam dann auch sofort ins Krankenhaus (nachdem er die Geburtstagsgäste rauswarf und unseren Sohn zur Oma brachte). Wieder folgten Stunden des wartens, aber diesmal war wenigstens mein Mann bei mir um mich zu trösten.
Um 20.00 Uhr kam dann die erlösende Narkose und der Filmriss. Als ich um 22.00 Uhr wieder zu mir kam fühlte ich mich leer, gedemütigt, unendlich traurig und eine Art hoffnungslosigkeit.
Es ist jetzt genau 5 Tage her, aber trotzdem haben sich die Gefühle nicht geändert. Ich weine fast den ganzen Tag, kann nicht schlafen, nicht essen und wenn ich schlafe habe ich Alpträume. Die einzigen die mich einigermassen aufrecht halten sind mein süßer lieber Sohn und mein Mann. Nur aus diesem Grund stehe ich Morgens auf und versuche den Tag rumzukriegen.
Ich hoffe das die Trauer irgendwann weniger wird und vielleicht auch wieder ein lachen mein Gesicht erreicht.
Aber mein kleines Gummibärchen werde ich niemals vergessen. Und an jedem Geburtstag meines Sohnes werde ich eine Kerze für mein totes Kind anzünden.
Ein Kind kam an diesem Tag, das andere ging.
Es dauerte nach diesem Entschluß ca. 2 Wochen als ich feststellte das meine Menstruation ausblieb. Die Freude war unendlich groß vor allem auch darüber das es so schnell geklappt hat. Nach einer Woche machte ich dann den Schwangerschaftstest. Dieser war dann auch positiv. Ich konnte mein Glück und meine Freude kaum glauben. Ich war den ganzen Tag lang wie in Trance.
Am nächsten Tag ging ich dann zum Frauenarzt um mir die Bestätigung zu holen. Nach den üblichen Routinesachen wurde dann auch ein Ultraschall gemacht. Mein Frauenarzt schaute etwas kritisch auf den Monitor und meinte dann nur "eigentlich müssten sie in der siebten Woche sein, aber nach dem was ich hier sehe sind sie entweder erst in der fünften Wochen oder es liegt eine Entwicklungsstörung vor. Ich glaube allerdings das sie erst in der fünften Woche sind. Entwicklungsstörung wäre sehr unwahrscheinlich."
Mit gemischten Gefühlen fuhr ich nachhause. Einerseits die Freude über die Schwangerschaft aber andererseits hatte er ja was von Entwicklungsstörung gesagt. Dieses Wort geisterte mir noch tagelang im Kopf herum. Was wenn es wirklich so ist? Ich konnte den nächsten Termin, der in 14 Tagen sein sollte, kaum noch erwarten. Hoffentlich ist alles gut.
Zwei Wochen lang hatte ich nur den einen Gedanken, hoffentlich schlägt das Herz, hoffentlich ist alles gut. Als ich dann nach 14 Tagen wieder dort war, sagte mein Frauenazrt: "Also sie sind jetzt erst in der 7. Woche und dort kann ich auch ein Herz erkennen. Aber ich rechne lieber noch mal drei Tage zurück, ich glaube dann kommen wir genau hin." Ich war sehr erleichtert, ein Herz man kann ein Herz sehen, also wird alles gut. Es folgten noch zwei weitere Ultraschalltermine die eigentlich auf ein gutes Ende hoffen ließen. Ich war eigentlich glücklich, aber doch blieb ein komisches Gefühl.
Ich hatte immer mal wieder Schmierblutungen zwischendurch, rannte ständig zum Frauenarzt bekam aber immer wieder die Antwort das alles gut wäre. So kam dann Weihnachten. Eigentlich ein schönes Fest, wäre da nicht so ein komisches ziehen und das plötzliche Verschwinden der Übelkeit. Ich tat das alles als normal ab (Mutterbänder und beginn der 12. Woche) wird schon alles o.k. sein. Ein Tag nach Weihnachten besuchte ich wieder den Frauenarzt. Schmerzen beim Wasserlassen bräunlicher Ausfluss. Wieder wurde ich mit dem Satz "nix schlimmes" nach Hause geschickt. (Es handelte sich hierbei um den Notdienst Frauenarzt). Ich ging nachhause und bereitete den Geburtstag meines Sohnes vor, der zwei Tage später war.
Am Morgen des Geburtstages war Kuchenbacken und Einkaufen angesagt. Ich sagte dann zu meinem Mann ich müsste mich noch mal hinlegen irgendwie gehts mir nicht gut. Konnte Allerdings nicht sagen warum. Als ich eine Stunde später Aufstand um zur Toilette zu gehen bekam ich einen Schock. Das Braun hatte sich inzwischen in helles Rot verwandelt. Aber nicht sehr viel, eigentlich nicht besorgniserregend. Das komische Gefühl in der Magengegend lies mich dann doch in die Frauenklinik fahren.
Dort wurde ich erst mal in den Kreissaal verfrachtet und untersucht. Außer ein "na ja" und "hm" bekam ich nichts zuhören, ich müsste warten bis der Arzt einen Platz im Ultraschall frei hat. Dieses warten dauerte zwei Stunden. Die Blutungen wurden immer stärker. Inzwischen kamen auch etwas dickere Stückchen mit raus und langsam machte ich mir doch Sorgen (Hatte in der ersten Schwangerschaft auch Blutungen und dachte es wäre wieder so etwas). Aber solche Blutungen hatte ich in der ersten Schwangerschaft doch nicht. Die Hebammen vertrösteten mich ständig, der Arzt kommt ja gleich, nur keine Panik.
Dann endlich war es soweit, auf zum Ultraschall. Wie gebannt schaute ich auf den Monitor. Der erste Gedanke der mir kam war: Wieso sehe ich das Herz nicht, wo ist das Herz. Die Ärztin presste die Lippen zusammen und sagte nichts. "Es lebt nicht mehr, oder?" Kam es gequält aus meinem Mund. Die Ärztin bestätigte meinen Verdacht mit einem kurzen Nicken und sagte, es tut mir sehr leid.
In diesem Moment brach die Welt aus den Fugen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Ich wünschte mir sosehr das mein Mann da wäre, aber er musste ja die Geburtstagsgäste meines Sohnes hüten. "Der Oberarzt muss es sich noch mal ansehen" , hörte ich die Ärztin sagen. Daraufhin folgte eine halbe Stunde Ultraschall. Es kam mir vor wie Tage die ganze Zeit sah ich das Tote Kind auf dem Monitor, mein totes Kind. Es war furchtbar.
Danach folgte eine Untersuchung wobei festgestellt wurde das der Muttermund sich öffnete und ich noch am selben Abend eine Ausschabung haben müsste. Ich wurde über die Operation aufgeklärt konnte dem Arzt aber keine Sekunde zuhören, immer wieder kamen die Bilder meines toten Kindes vor meine Augen.
Es dauerte zwei Stunden bis ich wieder sprechen konnte und meinem Mann die schreckliche Nachricht mitteilte. Er kam dann auch sofort ins Krankenhaus (nachdem er die Geburtstagsgäste rauswarf und unseren Sohn zur Oma brachte). Wieder folgten Stunden des wartens, aber diesmal war wenigstens mein Mann bei mir um mich zu trösten.
Um 20.00 Uhr kam dann die erlösende Narkose und der Filmriss. Als ich um 22.00 Uhr wieder zu mir kam fühlte ich mich leer, gedemütigt, unendlich traurig und eine Art hoffnungslosigkeit.
Es ist jetzt genau 5 Tage her, aber trotzdem haben sich die Gefühle nicht geändert. Ich weine fast den ganzen Tag, kann nicht schlafen, nicht essen und wenn ich schlafe habe ich Alpträume. Die einzigen die mich einigermassen aufrecht halten sind mein süßer lieber Sohn und mein Mann. Nur aus diesem Grund stehe ich Morgens auf und versuche den Tag rumzukriegen.
Ich hoffe das die Trauer irgendwann weniger wird und vielleicht auch wieder ein lachen mein Gesicht erreicht.
Aber mein kleines Gummibärchen werde ich niemals vergessen. Und an jedem Geburtstag meines Sohnes werde ich eine Kerze für mein totes Kind anzünden.
Ein Kind kam an diesem Tag, das andere ging.
© Kissy
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letzte Aktualisierung dieser Seite: 2009-11-24, 15:15 Uhr
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