Erfahrungsbericht Michi
per E-Mail von Michi eingesandt am 01.11.2006Für meine geliebten Kinder!
Ich heiße Michi und bin 28 Jahre alt. Vor fast 3 Jahren habe ich meinen "Liebsten" gefunden und seit 2 ½ Jahren leben wir gemeinsam in einer Wohnung. Es geht zwar hin und wieder auch turbulent zu, aber wir lieben uns sehr und sind (aus unserer Sicht) ein tolles Paar.
Im September 2005 haben mein Freund und ich beschlossen, endlich nicht mehr zu verhütten. Wir waren bereit und wollten endlich Eltern werden. Seit ich denken kann, ist mein größter Wunsch eine eigene kleine Familie. Meine Mutter hat sich von meinem Vater getrennt als ich 3 Jahre alt war. Seither hatte ich zwar einige "Stiefväter", doch wünschte ich mir für meine Kinder einmal eine Familie, die mehr Rückhalt bieten würde. Als wir nun beschlossen, dass wir ein Baby möchten, war ich überglücklich. Endlich sollte sich mein Wunsch erfüllen.
Dass es nicht klappen könnte bzw. dass es mit einer Fehlgeburt, besser gesagt zwei, enden sollt, kam mir nicht in den Sinn. Ich freute mich schon so auf die Zeit mit meinem Baby.
Ende Dezember 2005 muss unser Krümel entstanden sein. Wir freuten uns irrsinnig. Ich konnte mir noch gar nicht recht vorstellen in ein paar Monaten Mutter zu sein, doch der Gedanke war schön und wärmte mich. Niemals kam mir in den Sinn, dass ich meinem Baby diese Welt nicht zeigen darf. Ich war mir sicher, dass ich es bald in den Armen halten könnte. Bei der 1. Ultraschaluntersuchung war ich ca. in der 7. SSW. Soweit war alles ok. Unser erstes Kind! Alles war aufregend und neu!
Eine Woche später sollten wir die Herztöne hören. Das taten wir nicht. Meine Ärztin macht mir keine Hoffnungen, jedoch wollte sie noch abwarten. Ich war am Boden zerstört. Mein Freund ist die ganze Woche auswärts arbeiten. Ich musste ihm alles am Telefon erzählen. Zum Glück war meine Freundin jedoch sofort zur Stelle. Die darauf folgende Woche war die Ärztin im Urlaub. Somit kam ich erst wieder in der 10. SSW zu ihr. Es war Montag als sie mir erklärte, dass unser Baby nicht mehr lebt. Ich sollte sofort ins Krankenhaus zur Ausschabung. Den Termin dafür machte ich dann jedoch selbst und zwar für den nächsten Tag, ich hatte ja keine Blutungen. Ich konnte nicht am selben Tag. Ich musste mich von meinem Schatz verabschieden. Die Ausschabung wurde am Faschingdienstag, 28. Februar, gemacht. Die Ärzte waren sehr einfühlsam. Doch tröstete es nur wenig zu hören "…die natürliche Selektion…das Baby nicht gesund....usw!" Schon am nächsten Tag kam ich wieder nach Hause. Ich heulte, heulte und heulte. Es war furchtbar. Die Leere in mir und die Traurigkeit wollten kein Ende nehmen.
"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon!"
Im Juli 2006 haben wir beschlossen wieder nicht zu verhüten. Ich dachte zwar noch viel an unser Baby und auch am 1. Oktober (errechneter Geburtstermin) war ich sehr traurig, aber es war nicht mehr diese tiefe Trauer, der Schmerz wurde kleiner. Ich akzeptiere, dass ich ein Baby habe, dass nur in meinem Herzen leben darf.
Mitte September muss unser 2. Schatz entstanden sein. Nachdem ich selbst einen Schwangerschaftstest gemacht hatte, machte ich einen Termin für die 8. SSW bei meiner Frauenärztin. Die Freude war wieder sehr groß. Wir wollten es nun vorerst unser süsses Geheimnis bewahren. Und ich war natürlich auch viel vorsichtiger wie beim ersten Mal. Ich vermied es, schwere Dinge zu heben, jede Aufregung und versuchte alles ruhiger anzugehen.
Mitte der 7. SSW bekam ich jedoch einen Ausfluss. Natürlich rief ich meine Frauenärztin an und in paar Stunden später sass ich bei ihr auf dem Untersuchungsstuhl. Beim Ultraschal war alles ok. Sie sah zwar auch eine "kleine" Blutung, jedoch wäre noch nichts zu befürchten. Und die Herztöne musste man jetzt noch nicht hören. Sie verschrieb mir ein Medikament und Zäpfchen. Sie meinte, wenn ich Blutungen bekäme, die meiner Periode entsprechen muss ich ins Krankenhaus. Ich war traurig, aber noch nicht hoffnungslos. Mein Freund wusste vorerst nicht wie er damit umgehen soll.
Einerseits nahm er es "locker", da er sich noch sicher war, dass alles gut gehen würde. Andererseits sah er mich … und ich machte mir irre Sorgen.
Am nächsten Morgen war ein wenig Blut dabei. Nun musste ich doch wieder weinen. Ich ging zur Arbeit, jedoch schon mittags nach Hause. Um 17 Uhr begann ein Stechen und Ziehen im Bauch und im Unterlaib. Ich ging aufs WC. Ich blutete und auch Gewebe war bereits dabei. Die Blutung wollte nicht enden. Ich fiel meinem Freund in die Arme und heulte. Er brachte mich ins Krankenhaus. Es wurde eine Ultraschaluntersuchung gemacht. Dann wieder dieselben Fragen, Blut nehmen… Mein Freund wartete bis ich um 21.10 Uhr zum OP abgeholt wurde, wieder eine Ausschabung. Und wieder "ein Leben vorbei", am Freitag, den 20. Oktober 2006. Wieder war ich allein. Diesmal konnte ich mich gar nicht beruhigen. Die Tränen rannen mir über die Wangen. Die Ärzte waren zwar wieder einfühlsam, erklärten mir jedoch wieder von "der natürlichen Selektion" usw, dieses mal tröstet es gar nicht und ich gebe mich mit dieser Erklärung nicht zufrieden.
Ich denke, jede Frau, die diese Sätze zum bereits zum zweiten Mal gehört hat, kann nachvollziehen, dass neben meiner Trauer sich nun Wut und Verzweiflung breit machte. Warum wollten die mich so einfach abspeisen? "Tragisches Schicksal, dass es ihnen zweimal passiert….!" Ja, tragisch! Schicksal? Was, wenn es ein drittes Mal "passiert"? Schicksal?
Am nächsten Tag kam ich wieder nach Hause.
Ich weine noch immer viel. Ich fühle mich mit allem überfordert und kann mich kaum auf etwas konzentrieren. Meine Freundin sagt, ich darf trauern und mir Zeit dafür lassen. Doch die meisten Leute reagieren als ob ich eine Krankheit hatte und wo ich doch nun wieder gesund bin, muss ich wieder sein wie vorher.
Ich kann es aber nicht.
Bei "unserer" ersten Schwangerschaft waren wir so übermütig, dass wir es den zukünftigen Großeltern, Tanten und Onkeln schon in der 7. SSW erzählt haben.
Natürlich haben auch die es wieder weitererzählt. Die Kommentare und das Verhalten von den meisten hat mich noch trauriger gemacht. Also haben wir es beim 2. Mal niemanden gesagt. Erst nach der Ausschabung, da vielen aufgefallen ist, dass ich zB nicht arbeite. Selbst dann habe ich genau darauf geachtet, wem ich es erzähle. Doch wurde ich auch wieder von so genannten "Freunden" enttäuscht: "Du musst wieder Spaß haben", "Lenk dich ab", "Das ist ja nicht so schlimm", "Du bist ja gesund", "Geh tu nicht so dumm, du kannst doch nicht mehr traurig sein!" Ich bin nun 10 Tage ohne mein Krümelchen, ich bin noch lange nicht bereit, wieder zu "leben", "seelisch" fühle ich mich nicht gesund und die Leere in meinem Herzen kann man nicht mit Spaß füllen.
Meine "Trauerarbeit" um meine Babys ist noch lang nicht abgeschlossen, dass weiß ich. Dass wird mir immer klarer, wenn ich Berichte von "verwaisten Eltern" lese. Doch hoffe ich:
"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon!"
Ich liebe euch, Leo und Georgi, ich werde euch immer im Herzen tragen, ihr werdet immer bei mir sein. Ich gebe nicht auf. Ich will Euch Geschwister schenken, die die Sonne sehen dürfen. Ich kämpfe darum und lasse mich nicht mehr mit "…beim dritten Mal wird das erst mal untersucht…!" abspeisen. Meine Seele will nicht noch ein Würmchen verlieren. Ich nehme euch beide fest in die Arme, schließe euch in meinem Herzen ein und trage euch immer bei mir!
In Liebe Eure Mami!
Im September 2005 haben mein Freund und ich beschlossen, endlich nicht mehr zu verhütten. Wir waren bereit und wollten endlich Eltern werden. Seit ich denken kann, ist mein größter Wunsch eine eigene kleine Familie. Meine Mutter hat sich von meinem Vater getrennt als ich 3 Jahre alt war. Seither hatte ich zwar einige "Stiefväter", doch wünschte ich mir für meine Kinder einmal eine Familie, die mehr Rückhalt bieten würde. Als wir nun beschlossen, dass wir ein Baby möchten, war ich überglücklich. Endlich sollte sich mein Wunsch erfüllen.
Dass es nicht klappen könnte bzw. dass es mit einer Fehlgeburt, besser gesagt zwei, enden sollt, kam mir nicht in den Sinn. Ich freute mich schon so auf die Zeit mit meinem Baby.
Ende Dezember 2005 muss unser Krümel entstanden sein. Wir freuten uns irrsinnig. Ich konnte mir noch gar nicht recht vorstellen in ein paar Monaten Mutter zu sein, doch der Gedanke war schön und wärmte mich. Niemals kam mir in den Sinn, dass ich meinem Baby diese Welt nicht zeigen darf. Ich war mir sicher, dass ich es bald in den Armen halten könnte. Bei der 1. Ultraschaluntersuchung war ich ca. in der 7. SSW. Soweit war alles ok. Unser erstes Kind! Alles war aufregend und neu!
Eine Woche später sollten wir die Herztöne hören. Das taten wir nicht. Meine Ärztin macht mir keine Hoffnungen, jedoch wollte sie noch abwarten. Ich war am Boden zerstört. Mein Freund ist die ganze Woche auswärts arbeiten. Ich musste ihm alles am Telefon erzählen. Zum Glück war meine Freundin jedoch sofort zur Stelle. Die darauf folgende Woche war die Ärztin im Urlaub. Somit kam ich erst wieder in der 10. SSW zu ihr. Es war Montag als sie mir erklärte, dass unser Baby nicht mehr lebt. Ich sollte sofort ins Krankenhaus zur Ausschabung. Den Termin dafür machte ich dann jedoch selbst und zwar für den nächsten Tag, ich hatte ja keine Blutungen. Ich konnte nicht am selben Tag. Ich musste mich von meinem Schatz verabschieden. Die Ausschabung wurde am Faschingdienstag, 28. Februar, gemacht. Die Ärzte waren sehr einfühlsam. Doch tröstete es nur wenig zu hören "…die natürliche Selektion…das Baby nicht gesund....usw!" Schon am nächsten Tag kam ich wieder nach Hause. Ich heulte, heulte und heulte. Es war furchtbar. Die Leere in mir und die Traurigkeit wollten kein Ende nehmen.
"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon!"
Im Juli 2006 haben wir beschlossen wieder nicht zu verhüten. Ich dachte zwar noch viel an unser Baby und auch am 1. Oktober (errechneter Geburtstermin) war ich sehr traurig, aber es war nicht mehr diese tiefe Trauer, der Schmerz wurde kleiner. Ich akzeptiere, dass ich ein Baby habe, dass nur in meinem Herzen leben darf.
Mitte September muss unser 2. Schatz entstanden sein. Nachdem ich selbst einen Schwangerschaftstest gemacht hatte, machte ich einen Termin für die 8. SSW bei meiner Frauenärztin. Die Freude war wieder sehr groß. Wir wollten es nun vorerst unser süsses Geheimnis bewahren. Und ich war natürlich auch viel vorsichtiger wie beim ersten Mal. Ich vermied es, schwere Dinge zu heben, jede Aufregung und versuchte alles ruhiger anzugehen.
Mitte der 7. SSW bekam ich jedoch einen Ausfluss. Natürlich rief ich meine Frauenärztin an und in paar Stunden später sass ich bei ihr auf dem Untersuchungsstuhl. Beim Ultraschal war alles ok. Sie sah zwar auch eine "kleine" Blutung, jedoch wäre noch nichts zu befürchten. Und die Herztöne musste man jetzt noch nicht hören. Sie verschrieb mir ein Medikament und Zäpfchen. Sie meinte, wenn ich Blutungen bekäme, die meiner Periode entsprechen muss ich ins Krankenhaus. Ich war traurig, aber noch nicht hoffnungslos. Mein Freund wusste vorerst nicht wie er damit umgehen soll.
Einerseits nahm er es "locker", da er sich noch sicher war, dass alles gut gehen würde. Andererseits sah er mich … und ich machte mir irre Sorgen.
Am nächsten Morgen war ein wenig Blut dabei. Nun musste ich doch wieder weinen. Ich ging zur Arbeit, jedoch schon mittags nach Hause. Um 17 Uhr begann ein Stechen und Ziehen im Bauch und im Unterlaib. Ich ging aufs WC. Ich blutete und auch Gewebe war bereits dabei. Die Blutung wollte nicht enden. Ich fiel meinem Freund in die Arme und heulte. Er brachte mich ins Krankenhaus. Es wurde eine Ultraschaluntersuchung gemacht. Dann wieder dieselben Fragen, Blut nehmen… Mein Freund wartete bis ich um 21.10 Uhr zum OP abgeholt wurde, wieder eine Ausschabung. Und wieder "ein Leben vorbei", am Freitag, den 20. Oktober 2006. Wieder war ich allein. Diesmal konnte ich mich gar nicht beruhigen. Die Tränen rannen mir über die Wangen. Die Ärzte waren zwar wieder einfühlsam, erklärten mir jedoch wieder von "der natürlichen Selektion" usw, dieses mal tröstet es gar nicht und ich gebe mich mit dieser Erklärung nicht zufrieden.
Ich denke, jede Frau, die diese Sätze zum bereits zum zweiten Mal gehört hat, kann nachvollziehen, dass neben meiner Trauer sich nun Wut und Verzweiflung breit machte. Warum wollten die mich so einfach abspeisen? "Tragisches Schicksal, dass es ihnen zweimal passiert….!" Ja, tragisch! Schicksal? Was, wenn es ein drittes Mal "passiert"? Schicksal?
Am nächsten Tag kam ich wieder nach Hause.
Ich weine noch immer viel. Ich fühle mich mit allem überfordert und kann mich kaum auf etwas konzentrieren. Meine Freundin sagt, ich darf trauern und mir Zeit dafür lassen. Doch die meisten Leute reagieren als ob ich eine Krankheit hatte und wo ich doch nun wieder gesund bin, muss ich wieder sein wie vorher.
Ich kann es aber nicht.
Bei "unserer" ersten Schwangerschaft waren wir so übermütig, dass wir es den zukünftigen Großeltern, Tanten und Onkeln schon in der 7. SSW erzählt haben.
Natürlich haben auch die es wieder weitererzählt. Die Kommentare und das Verhalten von den meisten hat mich noch trauriger gemacht. Also haben wir es beim 2. Mal niemanden gesagt. Erst nach der Ausschabung, da vielen aufgefallen ist, dass ich zB nicht arbeite. Selbst dann habe ich genau darauf geachtet, wem ich es erzähle. Doch wurde ich auch wieder von so genannten "Freunden" enttäuscht: "Du musst wieder Spaß haben", "Lenk dich ab", "Das ist ja nicht so schlimm", "Du bist ja gesund", "Geh tu nicht so dumm, du kannst doch nicht mehr traurig sein!" Ich bin nun 10 Tage ohne mein Krümelchen, ich bin noch lange nicht bereit, wieder zu "leben", "seelisch" fühle ich mich nicht gesund und die Leere in meinem Herzen kann man nicht mit Spaß füllen.
Meine "Trauerarbeit" um meine Babys ist noch lang nicht abgeschlossen, dass weiß ich. Dass wird mir immer klarer, wenn ich Berichte von "verwaisten Eltern" lese. Doch hoffe ich:
"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon!"
Ich liebe euch, Leo und Georgi, ich werde euch immer im Herzen tragen, ihr werdet immer bei mir sein. Ich gebe nicht auf. Ich will Euch Geschwister schenken, die die Sonne sehen dürfen. Ich kämpfe darum und lasse mich nicht mehr mit "…beim dritten Mal wird das erst mal untersucht…!" abspeisen. Meine Seele will nicht noch ein Würmchen verlieren. Ich nehme euch beide fest in die Arme, schließe euch in meinem Herzen ein und trage euch immer bei mir!
In Liebe Eure Mami!
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