Erfahrungsbericht Petra

per E-Mail von Petra eingesandt am 13.08.2007



Die FA - Besuche...

25.05.2007 (1. Termin nach pos. Test)  

Tja da saß ich nun in dem kleinen Wartezimmer, Blutdruck 120 / 80 also normal. Es ist unglaublich heiß an dem Freitag. Plötzlich geht die Tür auf, und eine Patientin geht in den Behandlungsraum... es dauert... die andere Türe öffnet sich und ich traue meinen Augen nicht, eine ehemalige Klassenkameradin kommt rein...ich schätze sie nach ihrem Bauch auf 8 Monat ... der Bauch ist wirklich heftig...Sie erkennt mich bestimmt, redet aber nicht mit mir. Soll mir egal sein, ich streichle meinen Bauch, der wohl mehr von den 1 Liter Wasser die ich bis dahin schon getrunken habe aufgebläht ist als irgend von was anderem. Sie geht in das andere Zimmer an den Herzschreiben. Ich höre wie es pumpert in ihrem Bauch... Bam Bam -Bam Bam ...die ganze Zeit in der ich warte, höre ich das Herzchen ihres Babys schlagen... Ich muss schmunzeln, und merke, wie mir eine kleine Träne entweichen will... Ich denke mir: "Bald... ich auch ..." Die Tür des Behandlungsraumes geht auf, und die Frau vom Anfang kommt heraus, sie weint...sie schnieft...die Ärztin kommt ihr nach ... Sie sagt: "Dauerblutung aus Zervix"... nicht schön denk ich mir. Schwester Sylvia ruft im KKH an und überweist sie... sie schnieft und schluchzt...sie tut mir leid... wirklich ... doch ehe ich länger drüber nachdenken kann, ruft mich die Ärztin... "Fr. Pfeufer Bitte" Ich hole tief Luft und stolziere hinein... Mit einem Lächeln gebe ich ihr die Hand mit dem anderen nehme ich den Becher den sie mir grinsend entgegenhält. Ich verschwinde auf der Toilette... Nach geglückten Taten, springe ich hinter die chinesische Wand und ziehe mich aus... Es ist sooo heiß und ich klebe wie ein Stück Kaugummi :-( Frohen Mutes springe ich auf den Stuhl... Es drückt es zwickt, etwas Smalltalk und ein Abstrich :-( Dann kommt endlich der erhoffte lange weiße Stab... Und schon sehe ich mein Innerstes auf dem kleinen Monitor... Mhhh irgendwie sehe ich nichts, denke ich mir. Alles sieht aus wie immer... Ich beginne in meine unpraktischen Lage zu Pumpen wie ein kleiner Maikäfer...Komm schon, zeig dich denke ich mir... doch nichts... Die FA sieht mich etwas traurig an, habe ich den Eindruck. Ich frage nach. Sie meinte, entweder sind wir zu früh, oder es ist außerhalb der Gebärmutter. Eine Eileiterschwangerschaft... Neeeee... das will ich nicht ... einmal möchte ich Glücklich sein, so richtig das alles passt, nur einmal ... Ich springe von dem Stuhl... T-Shirt aus, BH aus Abtasten hier Abtasten da...Alles IO Anziehen...Platznehmen zum Gespräch... Ich habe etwas Angst, versuche sie nicht zu zeigen, ein prüfender Blick ihrerseits auf den SST ...sie lächelt und sagt, er zeigt auch schwanger... aber nur leicht...ich werde wieder  nervös. Innerhalb weniger Sekunden wechseln meine Gefühle ständig. Ich sehe wie sie auf meine Karteikarte HCG mit Ausrufezeichen schreibt... Ich merke wie ich absacke, hatte ich da nicht was gelesen, irgendwas das sich das HCG bei Eileiterschwangerschaft nicht vermehrt sondern relativ gering bleibt ... Naja ich versuche sachlich zu bleiben... Sie meinte...wir brauchen einen neuen Termin, nächste Woche... Freitag um 10°°?  Ich nicke... Freitag schießt es mir durch den Kopf, wieder eine Woche warten... Ich verlasse den Bandlungsraum mit gemischten Gefühlen... Schwester Sylvia sage ich nur schnell das man nichts gesehen hat, und das ich am Freitag um die selbe zeit wieder komme, und verschwinde zur Tür hinaus.
Ich rufe Andi an, erzähle alles und sage auch Jasmin bescheid...Nun heißt es warten... Wieder einmal...

01.06.2007 (2. Termin nach pos. Test)
 
Und wieder sitze ich hier... ich bin mehr als nervös... ich sterbe fast innerlich vor Aufregung. Schwester Sylvia macht mir Mut: "Petra, bleib locker, man wird was sehen"...
Ich atme tief durch und versuche mich abzulenken, mustere die anderen Frauen...Eine alte Omi, eine junge Schwangere und eine Dame mittleren Alters... OK, 3 vor mir... Zeit inne zu halten...und nachzudenken... Keine Schmerzen, keine Blutungen, nix...nur Übelkeit und Müde bin ich... Es ist mittlerweile 11 Uhr...die Schwangere kommt wieder aus dem Raum... Wedelt sich mit ihrem Mutterpass Luft zu...es ist ja auch wieder so heiß. Neidisch gucke ich auf ihren Bauch, den sie liebevoll in ein T-Shirt wo ein Baby durch ein Schlüsselloch guckt verpackt hat ... Wie niedlich denke ich mir, ich will so was auch haben...das T-Shirt...und den Inhalt... Ich merke wie meine Beine zittern... Schwester Sylvia lächelt mich an, und sagt dass ich ruhig bleiben soll... Dann geht die Tür auf: "Petra?" Ich tapse hinein... Ab auf den Stuhl..."UIIIIIIIII" sagt sie...ich blühe für den Bruchteil einer Sekunde auf...sehe einen riesigen schwarzen Fleck auf dem Mini Monitor...denke mir...UIII mein Baby...doch sie zieht den Stab aus mir und schickt mich auf Toilette... meine Blase war voll... Ich sitze auf dem Klo und ringe um Fassung... OK, denke ich mir auf ein Neues...wieder auf den Stuhl... wieder ein prüfender Blick... doch ich sehe nichts... ich sehe einen schwarzen Punkt... ich freue mich wieder...sie bleibt verhalten... ich starre gebannt auf den sich bewegenden Monitor... Dann die Gewissheit: "Das ist eine Fruchthöhle" sagt sie ... Ich bin ernüchtert... ich frage "Leer?" Sie nickt. Ich breche innerlich zusammen... wenn ich gestanden hätte, wäre ich zusammengeklappt. Sie beruhigt mich: "Keine Panik, das passt zu der Zeit...also 5 Woche" Ich schrei ihr innerlich Namen entgegen, die alle schon was gesehen haben... Sie sieht dass ich verunsichert bin... und dann meinte sie noch "Ich kann keine kindlichen Anlagen erkennen!" Dieser Satz brachte mich innerlich um... Ich glaube in den 5 min. die ich auf diesem Stuhl saß, bin ich tausend Mal gestorben... Sie guckt mich an und meinte, dass sich mein Baby versteckt... Ich versuche zu lächeln... ich versuche mich zu freuen, Hey eine Fruchthöhle, mehr als nix... aber es geht nicht ... es zerreist mich... Und dann sagt sie noch, dass wir uns nächsten Freitag wieder sehen... Das war mein nächster Schlag ins Gesicht, wieder eine Woche mehr... Als ich im Wartezimmer bin, schaut mich Schwester Sylvia ungläubig an. "Nix" fragt sie leise? Ich nicke nur..."Ich brauche einen neuen Termin...früher...Uhrzeitmäßig" Sie nickt... Freitag um 8 Uhr... Ich laufe zum Auto...ich weiß nicht, soll ich lachen, weinen, mich freuen, deprimiert sein? Ich weiß es nicht. Ich rufe Andi an, erreiche ihn erst daheim. Er meinte: "Der Antichrist will sich nicht gleich allen zeigen!" Ich muss lachen, er hat es geschafft, ich lächle... das erste Mal an diesem Tag...
Jetzt sitze ich hier am PC und schreibe das auf, ich merke trotzdem wie sich in mir ein Gefühl von Kälte breit macht, meine Mundwinkel hängen runter, und ich frage mich ob ich die nächste Woche überstehe... Klar was sonst? Es geht ja gar nicht anders... Und was mache ich jetzt? Wandle durchs Haus, wie ein Geist, wie nach einer schrecklichen Diagnose... Aber ich hatte doch keine schreckliche Diagnose...oder doch? Ich bin so unsicher... Und nun kommt auch noch das SS Buch von Amazon, was ich bestellt habe...ich weiß noch nicht mal ob ich es aufmache... soll ich mich freuen, oder verhalten bleiben!? Ich weiß es nicht ...und was bleibt ist wieder die Ungewissheit darüber, ob ich schwanger bin oder nicht ... Wer hat eigentlich gesagt, ein bisschen schwanger gibt es nicht? Ich fühle mich zurzeit nicht anders... Und jetzt ... jetzt warte ich wieder ab... Bis Freitag...

08.06.2007 (3. Termin nach pos. Test)
 
Nun ist es wieder soweit, es ist Freitag früh, halb 8. Ich setze mich in mein Auto und fahre Richtung Stadt, nur noch schnell Tanken und dann ab zur Gyn. Ein Blick auf die Uhr, 7.45 Uhr...Ich parke auf dem Markt und sehe, das man da nur eine Stunde stehen darf...weil ich ja Ärzte und Termine kenne, mogle ich etwas, und stelle meine Parkscheibe auf halb 9, obwohl es ja noch nicht mal 8 Uhr ist. Naja, wird schon schief gehen, denke ich mir und stapfe Richtung Praxis. Ich denke mir, dass eh noch keiner da ist, ich wurde aber enttäuscht, im Wartezimmer saßen schon zwei Frauen. Eine junge und eine mittleren Alters. Ich musste die ganze Zeit an diese beknackte Parkuhr denken...Meine Güte Petra, denke ich mir, ist denn dein Baby nicht wichtiger als doofe 15 € Strafe...außerdem sind die Futzis von der Stadtverwaltung eh noch nicht wach...bei dem Gedanken muss ich mal wieder schmunzeln... ich heitere mich selber auf...das scheint richtig gut zu tun...
Dann gehen die Gedanken los, was bei einem schlechten Ergebnis? Was, wenn man nichts sieht? Was, wenn man etwas sieht, was nicht lebt? Gedanken über Gedanken stürzen in meinem Kopf über mir zusammen, ich merke wie es zu pochen beginnt in meiner Brust...Ich wippe nervös mit dem Fuß...Parkuhr...denk an die Parkuhr...Lenk dich ab, irgendwie ...mach dich nicht verrückt...Andis Worte schnell ins Gedächtnis rufen, "Dann hat’s nicht sollen sein..." Das beruhigt...irgendwie...etwas...ein bisschen...oder auch nicht...die Zeit scheint nicht zu vergehen, ich gucke entnervt auf die Uhr, kurz vor 9 ...Und dann, auf einmal geht alles ganz schnell, die anderen beiden vor mir sind fix fertig... und schon bin ich dran...ich gehe noch mal auf Toilette und hüpfe auf den Stuhl...eine Gänsehaut macht sich breit...der Stab kommt und ich zucke zusammen, ich sehe mein Baby zum ersten Mal. Ich sehe sein Herz schlagen und sehe dass es lebt. Es ist da und es ist aus uns entstanden. Ich muss weinen, ich bin überwältigt, kann nicht sprechen. Meine Gyn freut sich..."Das sind die ersten Schritte des Lebens" sagt sie... Ich heule wie ein Schlosshund, ich bin so glücklich. Ich muss mir den Mund zuhalten um nicht laut aufzuschreien...Ich streichelt meinen Bauch, während ich in dieser mehr als unbequemen Lage mein "Häufchen" zum ersten Mal sehe...Es geht ihm gut in Mamas Bauch, es liegt da und wächst vor sich hin...Ich bin nach wie vor wie gelähmt...das sprechen wird nur noch zu glucksenden, gurgelnden Geräuschen... ich bin gefühlsmäßig so überrumpelt, weil ich mir ständig die Frage stelle, wie so etwas wunderbares passieren konnte, es ist einfach göttlich, so winzig und doch ist es da...es lebt und macht Mama und Papa zu den glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt. Ich verabschiede mich bis Freitag :-) um dann meinen Mutterpass in Empfang zu nehmen... Ich bin immer noch hin und weg, der Moment ist unglaublich und nicht zu beschreiben. Jeder der ein Baby in sich trägt, weiß was ich meine...Ich zeige stolz Schwester Sylvia das US Bild. Sie lächelt, der Termin ist reine Form Sache...und nun warte ich wieder, aber diesmal mit meinem Baby im Bauch und der Gewissheit, das es lebt... und dem Gefühl, das alles seine Richtigkeit im Leben hat, und es für alles einen Sinn und einen Grund gibt...
 
14.06.2007 (4. Termin nach pos. Test)
 
Es ist Donnerstag und ich sitze gemütlich vorm Fernseher als das Telefon klingelt...Schwester Sylvia ist dran, und fragt, ob ich jetzt kommen kann, ich sage natürlich sofort zu. Als ich so drüber nachdenke, fällt mir mit Schrecken auf, das ich weder geduscht bin, noch Zähne geputzt habe. Ich sause wie ein Wirbelwind durchs Bad und bin binnen weniger Minuten fertig. "Zack Zack" denke ich mir und sprinte zu meinem Auto. Super, es ist Donnerstag, kein Markttag, alle Parkplätze in Nähe der Praxis sind frei, und das mit Parkscheibe, ein gutes (und günstiges :-) ) Zeichen. Ich laufe die Stufen hoch, und winke Schwester Sylvia zu. Sie schickt mich gleich in den kleinen Raum, wo schon das "Besteck" für die Blutentnahme bereitliegt. Ich schlucke, doch im nächsten Augenblick strahle ich. Neben dem Kissen für den Arm liegt ein Mutterpass, mit meinem Namen drauf. Ich merke wie Endorphine durch meinen Körper schießen, ein breites Grinsen macht sich bei mir bemerkbar. Sylvia kommt und fängt an mich zu fragen. Die Frage nach  meinem Gewicht belächle ich nur, und antworte. Als ich dann auf der Waage stehe könnte ich heulen, seit ich aufgehört habe zu rauchen, habe ich 10 kg zugenommen. Das wurde mir prophezeit, ich hab’s nicht geglaubt, aber es ist so. Ich habe wirklich 10 kg mehr als vor einem halben Jahr... ganz schön heftig denke ich mir, das erklärt auch, warum mir meine Lieblingsröcke nicht mehr passen. Traurig aber wahr...aber ich höre auf, darüber nachzudenken und beantworte die anderen Fragen...Dann heißt es Augen zu und durch...das Spray auf meinem Arm ist so unglaublich kalt. Zuerst piekst es und dann blubbert es ...ein Röhrchen...zwei Röhrchen...naaaa? Mit einem mal ist Schluss...ich verweigere sozusagen die Abgabe...das dritte Röhrchen will und will nicht voll werden. Es tröpfelt nur noch...ein Klaps auf den Arm und es tröpfelt etwas mehr und ein wenig an der Kanüle gerüttelt und endlich ist das Röhrchen Nummer 3 auch voll. "Geschafft" denke ich mir. Ich setze mich ins Wartezimmer und starre in die Luft. Dummerweise ist da noch eine Frau aus Breitenbach... "Na super...jetzt wissen es dann wirklich auch bald alle aus dem Dorf!" denke ich mir. Dann ist es soweit...Rein, Urin, ab auf den Stuhl... Und da ist es auch schon wieder...Häufchen, ganze 7 mm klein....Heute gibt es kein Bild, es sieht auch nicht wesentlich anders aus, als mit 3 mm. Dann folgt noch ein Gespräch, ein paar Ernährungsblätter und die Empfehlung Folsäure zu nehmen. "Mach ich schon" sage ich ihr freundlich entgegen...Sie sagt mir noch ein anderes Präparat, was ich schon wieder vergessen habe. Habe allerdings noch ein Blatt dazu bekommen. Dann erklärt sie mir die Nackenfaltenmessung, die leider nicht von der Krankenkasse bezahlt wird, außer es gibt dementsprechende Indikatoren, die darauf hinweisen, dass es sein könnte. Der preis dafür ist 150 €...ganz schön happig denke ich mir. Dann sagt sie mir das man noch den Tripple Test machen kann, ein Bluttest der Mutter, für 30 €. Ich nehme die Broschüren mit und beschließe es mit Andi zu besprechen. Ich will mal sehen, ob die Krankenkasse das bezahlt. Einfach mal nachfragen kostet nichts. Nunja der neue Termin ist in zwei Wochen. Ich freu mich schon drauf. Mit stolz geschwellter Brust, dem Mutterpass in der Tasche ging’s nach Hause...Ein schönes Gefühl, zu wissen dass man ein Baby in sich trägt
 

 
Die Schicksalstage...

"See you Mama"

 05.07.07

Es ist soweit, nach drei unendlich langen Wochen werde ich heute wieder mein Baby sehen. Ich habe schon seit 3 Tagen starke Kopfschmerzen...warum auch immer. "Egal" dachte ich mir und lief an meiner ach so geliebten Packung Aspirin vorbei ...."das hältst du aus" dachte ich mir... Auf dem Weg zum Arzt werde ich immer euphorischer. Der Gedanke an etwas das schon 5 cm groß sein soll ist Wahnsinn. Ich sitze also in dem Wartezimmer...Blutdruck OK...Es geht ganz schnell..."Petra?" Rein, Urin, ab auf den Stuhl...erstaunt schaue ich auf den Bildschirm..."Hä? Heute gar kein Herzschlag zu sehen?" schießt es mir durch den Kopf...ich verdränge sofort den Gedanken der sich mir aufbrummt...ich starre gebannt auf die Linie die sie zieht...die Zahl 2,1 cm ... ich sage "ist aber ziemlich klein, oder" Sie nickt und sagt: "Das sieht nicht gut aus!" In diesem Moment ging es bergab...Ich suchte auf dem Schirm das kleine flimmernde etwas, was mich damals so fasziniert hatte...doch da war nichts...kein Herzschlag... "Das Baby ist Tod"...sagt sie mir...
Ich beginne zu schweben... merke wie ich falle...Augen auf...immer noch auf dem Stuhl...Augen wieder zu...schnell...renn...spring...fall...wach auf..."Wach endlich auf!!!" schreie ich mich innerlich an...doch der Trick, der in meinen Alpträumen so gut funktioniert hat, klappt hier nicht... Die Ärztin hält mich fest... ich beginne zu weinen...zu zittern... sie führt mich vom Stuhl..."Wach auf...verdammt wach auf!" ...ich wache nicht auf, es ist kein Traum...es ist vorbei..."Nein - nicht ...nicht Ich!" ... Die Worte die sie sagt, verhallen in weiter Ferne... Das Leben scheint von einer auf die andere Sekunde nicht mehr lebenswert. Wie in Trance nehme ich meinen Einweisungsschein fürs Krankenhaus...Was sie genau gesagt hat, kann ich nicht mal wiedergeben, ich habe nicht zugehört...Ich wollte nur noch weg...weg von hier...weg von all dem... Schwester Sylvia bringt mich zur Tür... "Sei stark!" ...ich nicke nur...
Ich setze mich ins Auto, nehme mein Handy und schreibe Andi eine Nachricht: "Kannst du nach Hause?" Ich fahre... Ich merke nichts mehr... alles scheint wie Taub, wie Tod. Wie ich genau nach Hause gekommen bin, weiß ich auch nicht...Daheim angekommen laufe ich Mama in die Arme... "Es ist tot" sage ich nur ... im nächsten Moment breche ich zusammen...Kreislauf...ab auf die Couch..."Trink was...DU bist jetzt wichtig" sagt sie... Mir ist schlecht...ich verspüren den Drang mich zu übergeben... Schließe die Augen...Öffne sie wieder...nichts hat sich geändert... mein Wohnzimmer, meine Mama, meine Schmerzen...mein totes Kind im Bauch...Ich weine wieder...ständig, ich nehme alles was zur Schwangerschaft herumliegt und stecke es in den Schrank...Bloß weg...aus meiner Sicht. Krankenhaus...Ausschabung...Ich glaub es nicht, Augen zu...Augen auf...Immer noch hier...Telefon... Andi... Ich kann nicht reden... Mama sagt es ihm... Ich kann es nicht...Sie weint..."Das Baby ist Tod, Petra geht es schlecht bitte komm nach Hause" Es dauert nicht lange...er ist da...weinend liegen wir uns in den Armen... Ich entschuldige mich...ständig, bei jedem der mich in den Arm nimmt...Es ist meine Schuld, mein Bauch, meine Schuld, mein Körper, meine Schuld...alles in mir, meine Schuld... Meine Schuld, meine Schmerzen, mein Leid...mein totes Kind...
Im Krankenhaus, die Ärztin ist nett, sie untersucht mich noch einmal...Im Liegen, sie erspart es mir, mich auf den Stuhl zu quälen... "Es ist tot" bestätigt sie noch einmal... Der minimale Gedanke, die minimale Hoffnung, dass US - Gerät meiner FA ist defekt, habe ich nun auch verdrängt. Vor mir liegt ein Blatt Papier, mit einer Zeichnung... ich schaue nur kurz darauf, weil ich den Anblick nicht ertragen kann. Dann nimmt sich die Ärztin das Blatt... Sie markiert mit ihrem Stift Punkte..."hier und da...und wenn das schief geht, dann kommt das da weg...und wenn es gut geht, sieht es so aus..." Mir wird schlecht, ich habe wieder das Bedürfnis mich zu übergeben... Sie reicht mir einen Kuli...ich soll unterschreiben...Bei dem Gedanken an das Bild, fällt es mir sichtlich schwer klar zu denken...Ich setze den Stift an...ich unterschreibe..."hier...und hier ...und hier" Was ich da unterschreibe? Ich bin ehrlich ich weiß es nicht... Narkoseblätter, Tablettenblätter...was weiß ich...Ich unterschreibe alles...und nun ist es vorbei...sie nimmt die Zettel...und ich bekomme im Tausch dafür 2 Tabletten, für die Muttermundweitung, dann morgen früh 7°° zur OP...Alles Routine...alles routiniert, erschreckend in meinen Augen...Mitgefühl ein Fremdwort für die Schwestern die grade Dienst haben..."Missed Abort 11 SSW morgen um 7°° Kürettage...sag auf der Station bescheid..."...rufen sie sich gegenseitig zu, fast als ob sie austesten wollen, wie gut sie im medizinisches Latein sind...Ich muss hier weg...Wir gehen. Ich weine nur noch... ich sitze im Auto wortlos... Wartend... Doch nichts...Andi bleibt stumm...Ich versuche zu sprechen, aber es geht nicht...ich finde keine Worte, nur Gedanken machen sich breit in meinem Kopf, schöne Gedanken, Urlaub, Liebe, Baby, Freude... Wunsch...Erfüllung...Glück...Trauer... welch grausames Spiel treibt das Leben mit uns... Ich lege meine Kopf auf Andis Schulter...Er weint...ich weine...wir weinen...Daheim angekommen... Ich kann meinen Bauch nicht anfassen, ich war es, meine Schuld, ich habe etwas falsch gemacht, irgendwas hab ich bestimmt gemacht, meine Schuld... Plötzlich legt jemand die Hand auf meinen Bauch, Andi... ich schrecke zurück...er kniet sich vor mich, hebt mein T-Shirt und küsst meinen Bauch... "Ich liebe dich" sagt er... ich sacke zusammen... er zieht mich hoch...bringt mich auf die Couch... Ich weiß nicht wie der Tag herumging... zumindest schnell...Um 22°° sitze ich vor einem Glas Wasser und den zwei Tabletten... Ein Blick zu Andi...ein Blick ins Nichts... Ich nehme Sie in den Mund...Schließe die Augen und weiß...gleich ist es wirklich vorbei...
Ich liege im Bett, kann nicht schlafen, gehe zur Toilette...Blut... "es geht los" denke ich mir... Ich gehe in die Stube...Fernsehen...ich schaue ewig lange...kein Auge mache ich zu...es ist 6°° als ich ins Schlafzimmer gehe um Andi zu wecken. Wir fahren in die Klinik, Tagesklinik nennt es sich... Hemdchen, OP - Slip, Strümpfe, eine Wochenbetteinlage...Alles liegt schön säuberlich auf dem Bett...Ein wenig Small Talk mit den Schwestern...Thrombose Spritze, Schmuck raus, Umziehen...Dann geht die Tür auf... "Frau Pfeufer? Es geht los"
Ich weine nicht...ich bin tapfer... Habe zwei Figuren in der Hand die ich fest zusammenpresse...Ein letzter Kuss...dann bin ich auf dem Gang... dann merke ich wie ich falle...Immer tiefer...Der Pfleger sieht mich an...sieht das ich weine..."Keine Sorge" sagt er "so schlimm ist das nicht, ich fahr hier jeden Tag hin" Ich blicke nach oben, ich kann sein Gesicht nicht erkennen, habe keine Kontaktlinsen drinne... Sein Glück..."Sie verlieren aber auch nicht grade Ihr Baby" sage ich glucksend...ab da ist Stille...er schiebt mich wortlos weiter. Ich werde in einen OP Saal geschoben, keine Tränen...ich liege auf einer vorgewärmten Decke...dann die Anweisung..."Beine hier hoch..." Wieder diese Routine...Ich habe Angst...Ich erkenne nur Umrisse der Menschen, aber keine Gesichter... vielleicht ist das ganz gut so...Ich schließe die Augen... Ein letzter Versuch ...Augen - Zu...Augen - Auf...OP Lampen an... Ich lege den Kopf zur Seite...weine leise vor mich hin...in mich hinein... keine Ton bringe ich heraus...dann höre ich meinen Namen... die Narkoseärztin schaut mich an... "Weinen sie nicht, sie werden viele schöne Kinder bekommen" sagt sie in gebrochenem Deutsch...Ich blicke nach oben... "Was für schöne Augen sie hat" denke ich mir..."Hallt deine dumme Klappe" sage ich zu ihr ... Ich erschrecke über mich selber...Dann schließe ich die Augen... "Ich habe Angst" sind meine letzten Worte..."Sie brauchen keine Angst zu haben" sind das letzte was ich höre... dann bin ich weg... Ich träume... "In Narkose träumt man nicht" ... sagten sie...ich schon...
"See you Mama" ... Vor mir steht ein kleiner Junge und winkt..."Deacon" denke ich mir... Ich winke ihm auch...aber ich kann nicht auf ihn zugehen ... Ich will es auch irgendwie nicht... er geht immer weiter von mir weg...bald sehe ich nur noch seine Hand wie sie langsam verschwindet...Mein Name wird gerufen..."Fr. Pfeufer"...ich komme langsam zurück... ich war weg...auf der andere Seite... "Schöne Augen"... Da ist sie wieder..."Es ist vorbei" sagt ihre Stimme ...Ich weine... merke einen bohrenden Schmerz in meiner Hand... Komme zurück ins Zimmer...suche Andi...Er kommt...ich gebe ihm den Inhalt meiner Hand... ich habe die Figuren so gedrückt das meine Hand blutig ist... daher der Schmerz...Ich soll schlafen... aber es geht nicht...ich bin aufgedreht...ich will nicht schlafen, ich habe alles gesehen was ich sehen wollte in meinem Traum... Ich sage weder der Schwester, noch Andi etwas von meinem Traum, von unserem Sohn, der mir gewunken hat, zu groß ist die Angst, ich müsse im Krankenhaus bleiben...oder ich müsse woanders hin...von meinen Suizid Gedanken die ich am Donnerstag hatte, habe ich ja auch niemandem erzählt...Das war schon besser so...Ich hebe meine Bettdecke hoch...alles mit dieser gelben Pampe eingekleistert...Ich sehe aus als hätte ich die Gelbsucht...ich spreize vorsichtig die Beine...dazwischen Blut, doch ich kann nicht weinen...keine Tränen vergieße ich...Eher überkommt mich eine Abscheu vor mir selber...Ekel und Abartigkeit überrumpeln mich..."Ich muss mal" ...die Schwester nickt das ganze ab...Zwar widerwillig, aber ins Bett machen lassen will sie mich auch nicht...Ich gehe auf Toilette, Andi begleitet mich...keine Tränen, ich komme zurück, keine Tränen, Blutdruck messen, keine Tränen, ich weine nicht mehr...Warum verdammt weine ich nicht mehr???
"Was habt ihr mit mir gemacht???" frage ich die Schwester, während Andi eine Zigarette rauchen ist...Beruhigungsmittel ist ihre Antwort... Ich hätte mich im OP ziemlich "gewehrt" wie sie es nennt...Auch wollte ich die Figuren nicht loslassen...Ich habe w ohl ziemlichen Ärger veranstaltet...
Der Tag vergeht ... es gibt Mittag, ich esse... Wir fahren heim, ich lache, daheim angekommen, ein Päckchen, Femibion Probepack... Das Beruhigungsmittel wirkt wirklich Wunder...ich nehme es wortlos und packe es in den Schrank... Dann lege ich mich hin, ich schlafe...ohne zu träumen... Ich möchte nicht mehr aufwachen... ich möchte sterben... denke ich mir... Ich möchte weg...ganz weit weg... Andi liegt neben mir, er hat Tränen in den Augen... "Ich pass auf dich auf" sagt er ... Ich weine... Aber es ist ein anderes Weinen...ein kontrolliertes Weinen...wie als hielt mich etwas im Zaum...Das Wochenende vergeht... irgendwie...Es ist Montag ...Termin bei meiner FA ... Sylvia nimmt mich in den Arm ...ich weine ein wenig...gebe ihr den Mutterpass...ich will ihn nicht daheim haben...Ich warte nicht lange...es geht schnell ... Stuhl ... US ... "Alles OK" sagt sie...Ich bekomme eine Krankschreibung bis Freitag...Psychisch labil...sagt sie... Ich wackle mit dem Rezept für einen Vaginalring und einem Mittel zur Gebärmutterkontraktionsunterstützung nach draußen... Dann fahre ich nach Hause... Schlafen...Ich will nur Schlafen...vielleicht wache ich doch noch auf....Irgendwann...vielleicht ist alles nur ein ganz langer Traum...
Daheim angekommen, ein Brief...Leipzig, ich weiß was es ist ...Namensforschung... Gutachten über unsere Wunschvornamen... Andi sieht es...er ließt, nimmt mich in den Arm...keine Tränen...keine Worte...ich weiß was er sagen will...

© Petra


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letzte Aktualisierung dieser Seite: 2009-11-24, 17:06 Uhr

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