Erfahrungsbericht Silvia
per E-Mail von Silvia eingesandt am 05.03.2008Für unser Pünktchen
Das schreibt Deine Mama sich am 04.03.2008 von der Seele, um besser mit Deinem Verlust fertig zu werden und um einen "Ort" zu haben, zu dem sie gehen kann, um um Dich zu trauern.
Du bist wahrscheinlich am 8. Dezember 2007 als unser 3. Kind entstanden und solltest am 3. September 2008 zur Welt kommen.
Zunächst war ich ganz schön erschrocken, denn Dein Bruder Mika wäre bei Deiner Geburt erst 18 Monate alt gewesen. Aber Dein Papa redete mir Mut zu und so konnten wir uns bald gemeinsam über Deine Existenz freuen. Manchmal machtest Du Dich schon bemerkbar, mir wurde schlecht und ich hatte mit dem Kreislauf zu kämpfen. Das war schon greifbarer, als so ein positiver Schwangerschaftstest.
Irgendwie stand aber alles unter einem schlechten Stern, denn Dein Onkel Thomas erkrankte sehr stark an Windpocken und ich wusste nicht, ob ich diese Krankheit bereits gehabt hatte. Das hätte fatale Folgen für Dich haben können, aber glücklicherweise stellte sich heraus, dass ich bereits Antikörper hatte und so keine Gefahr für Dich drohte.
Als das klar war, schmiedeten wir Heiratspläne. Du solltest der Anlass sein, dass wir endlich auch offiziell eine richtige Familie sein wollten.
Natürlich war ich auch bei der Frauenärztin. Dort prüften wir, ob es Dir auch gut geht. Das letzte Mal war ich dort am 19.02.08 (Dienstag). Das war in der 12. Schwangerschaftswoche. Ich ließ ein Ultraschallfoto von Dir machen und Dir ging es anscheinend gut. Ich konnte Dein kleines Herzchen klopfen sehen und bewegt hast Du dich auch. Du warst ganze 53 mm groß.
Nur eine Woche später, am 27.02.08 (Mittwoch), fuhren wir nach Berlin, um ganz routinemäßig die NT-Messung durchführen zu lassen. Das hatten wir bei Deinen beiden Geschwistern auch gemacht. Wir machten uns keine großen Sorgen, schließlich war doch immer alles gut gelaufen. Deine große Schwester Leonie war im Kindergarten, aber Papa und Mika kamen mit.
Dann kam der große Schock, als uns der Dr. sagte, dass Du nicht mehr lebst. Ich konnte es gar nicht glauben, dachte, ich hätte mich verhört. Aber es war eine Tatsache. Du warst seit der letzten Untersuchung gerade mal 3 mm gewachsen, musst also kurz danach gestorben sein. Und ich habe es nicht mal bemerkt. Ich konnte nicht weinen in dem Moment. Der Dr. sagte noch, dass ein großes Ödem um Deinem Kopf entstanden war, was auf eine Chromosomenstörung schließen ließe. Er fand auch noch andere, tröstende Worte, aber ich hörte ihm gar nicht mehr richtig zu. Dann fuhren wir mit dem Befund wieder nach Hause. Zum Glück war Dein Papa da. Alleine hätte ich diese Momente nicht durchgestanden.
Immer wieder dachte ich, dass kann nicht sein, dass ist ein Irrtum, so was passiert uns doch nicht, bis dann endlich die Tränen kamen. Weinen hilft. Endlich zu trauern war so wichtig. Am nächsten Tag musste ich dann zu den Ärzten. Leider war unsere Frauenärztin nicht da, so musste ich zu der Vertretung. Die war ganz verständnisvoll und hat sich alles angehört. Sie untersuchte mich und gab mir eine Einweisung ins Klinikum.
Wie paradox. Hier hatte ich Leonie und Mika zu Welt gebracht und hier solltest Du nun aus meinem Bauch geholt werden. Zum Glück war die Frauenärztin im Klinikum auch sehr verständnisvoll und nett, hörte zu, tröstete und wunderte sich nicht über meine vielen Tränen. Ich habe jetzt immerzu geweint. Am Abend vorher haben wir uns mit Deinem Papa in den Armen gehalten und den Tränen freien Lauf gelassen. Aber es wollte nicht besser werden.
Am nächsten Tag (Freitag, 29.02.08) brachte mich Papa und Mika in die Klinik. Leonie war bei Oma Edit und Opa Jürgen geblieben. Dann begann das Warten und damit wieder dieses Grübeln. Warum musste uns das treffen, wo wir uns die Entscheidung für ein 3. Kind ja ohnehin schon so schwer gemacht hatten? Was war passiert? Was habe ich falsch gemacht? Kann man überhaupt was falsch machen? Wie viel hast Du schon gespürt und mitbekommen von Deiner Umwelt? Wusstest Du schon, dass ich Dich lieb habe?
Die Sache als solches ging dann ganz schnell. Als ich aus der Narkose erwachte, fühlte ich mich ganz leer. Ich hatte nicht nur kein Pünktchen mehr in meinem Bauch, sondern ein großes Loch in meinem Herzen. Ich konnte immer nur weinen. Die Tränen liefen und liefen. Zwischendurch muss ich dann auch immer wieder eingeschlafen sein.
Auch jetzt, wo ich das hier schreibe, laufen mir immer wieder die Tränen über die Wangen. Ich fühle mich so hilflos und traurig. Es tut so weh. Wir hatten Dich doch schon so in unser Leben integriert. Weißt Du, dass wir schon probiert hatten, ob 3 Kindersitze nebeneinander auf die Rückbank im Auto passen? Wir hatten gemessen, ob wir das Schlafzimmer nicht in Leonies Zimmer verlegen. Wir sollten ganz günstig einen Geschwisterwagen bekommen. Es war schon so viel vorbereitet für Deine Ankunft. Den Mika hatte ich abgestillt, damit ich genügend Kraft hatte um Dich im Bauch zu ernähren. Er sollte auch schon zeitiger einen Kindergartenplatz bekommen.
Ich hoffe, Du verzeihst uns, dass wir jetzt aber auch an die Zukunft denken. Ich möchte diese Lücke, die Dein Sterben in unserer Familie hinterlassen hat, wieder füllen. Mit einem Baby. Deshalb haben wir Dich auch untersuchen lassen, damit wir genau wissen, was mit Dir passiert ist. Wir wollen nicht, dass eventuell mit dem nächsten Baby das Gleiche geschieht oder es dann ganz krank ist. Das und die Liebe zu Deinen Geschwistern und Deinem Papa ist es, was mir hilft, Deinen Verlust zu überstehen, die Hoffnung, das große Loch in meinem Herzen wieder zu füllen. Aber Dich werden wir nicht vergessen. Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, mein Pünktchen.
Auch Leonie hatte sich schon auf Dich gefreut. Immer wieder erzählte sie, dass wir bald 5 und eine richtige Familie sind mit 3 Kindern. Als ich ihr von Deinem Sterben erzählen musste, war sie ganz betroffen. Sie hat mich gefragt, wie das ist, wenn Du gestorben bist und ich habe versucht, ihr das zu erklären.
Heiraten werden wir trotzdem, aber ohne großes Feiern, denn das wäre nicht echt.
Mein liebes Pünktchen, auch wenn wir mit einem neuen Baby versuchen werden, Deinen Verlust auszugleichen, wirst Du immer in meinem Herzen wohnen. Du hast in meinem Bauch vom 8. Dezember bis zum 19. Februar gelebt, über 10 Wochen, und mich von innen gewärmt. Und dafür danke ich Dir.
Deine Dich liebende und um Dich trauernde Mama
Du bist wahrscheinlich am 8. Dezember 2007 als unser 3. Kind entstanden und solltest am 3. September 2008 zur Welt kommen.
Zunächst war ich ganz schön erschrocken, denn Dein Bruder Mika wäre bei Deiner Geburt erst 18 Monate alt gewesen. Aber Dein Papa redete mir Mut zu und so konnten wir uns bald gemeinsam über Deine Existenz freuen. Manchmal machtest Du Dich schon bemerkbar, mir wurde schlecht und ich hatte mit dem Kreislauf zu kämpfen. Das war schon greifbarer, als so ein positiver Schwangerschaftstest.
Irgendwie stand aber alles unter einem schlechten Stern, denn Dein Onkel Thomas erkrankte sehr stark an Windpocken und ich wusste nicht, ob ich diese Krankheit bereits gehabt hatte. Das hätte fatale Folgen für Dich haben können, aber glücklicherweise stellte sich heraus, dass ich bereits Antikörper hatte und so keine Gefahr für Dich drohte.
Als das klar war, schmiedeten wir Heiratspläne. Du solltest der Anlass sein, dass wir endlich auch offiziell eine richtige Familie sein wollten.
Natürlich war ich auch bei der Frauenärztin. Dort prüften wir, ob es Dir auch gut geht. Das letzte Mal war ich dort am 19.02.08 (Dienstag). Das war in der 12. Schwangerschaftswoche. Ich ließ ein Ultraschallfoto von Dir machen und Dir ging es anscheinend gut. Ich konnte Dein kleines Herzchen klopfen sehen und bewegt hast Du dich auch. Du warst ganze 53 mm groß.
Nur eine Woche später, am 27.02.08 (Mittwoch), fuhren wir nach Berlin, um ganz routinemäßig die NT-Messung durchführen zu lassen. Das hatten wir bei Deinen beiden Geschwistern auch gemacht. Wir machten uns keine großen Sorgen, schließlich war doch immer alles gut gelaufen. Deine große Schwester Leonie war im Kindergarten, aber Papa und Mika kamen mit.
Dann kam der große Schock, als uns der Dr. sagte, dass Du nicht mehr lebst. Ich konnte es gar nicht glauben, dachte, ich hätte mich verhört. Aber es war eine Tatsache. Du warst seit der letzten Untersuchung gerade mal 3 mm gewachsen, musst also kurz danach gestorben sein. Und ich habe es nicht mal bemerkt. Ich konnte nicht weinen in dem Moment. Der Dr. sagte noch, dass ein großes Ödem um Deinem Kopf entstanden war, was auf eine Chromosomenstörung schließen ließe. Er fand auch noch andere, tröstende Worte, aber ich hörte ihm gar nicht mehr richtig zu. Dann fuhren wir mit dem Befund wieder nach Hause. Zum Glück war Dein Papa da. Alleine hätte ich diese Momente nicht durchgestanden.
Immer wieder dachte ich, dass kann nicht sein, dass ist ein Irrtum, so was passiert uns doch nicht, bis dann endlich die Tränen kamen. Weinen hilft. Endlich zu trauern war so wichtig. Am nächsten Tag musste ich dann zu den Ärzten. Leider war unsere Frauenärztin nicht da, so musste ich zu der Vertretung. Die war ganz verständnisvoll und hat sich alles angehört. Sie untersuchte mich und gab mir eine Einweisung ins Klinikum.
Wie paradox. Hier hatte ich Leonie und Mika zu Welt gebracht und hier solltest Du nun aus meinem Bauch geholt werden. Zum Glück war die Frauenärztin im Klinikum auch sehr verständnisvoll und nett, hörte zu, tröstete und wunderte sich nicht über meine vielen Tränen. Ich habe jetzt immerzu geweint. Am Abend vorher haben wir uns mit Deinem Papa in den Armen gehalten und den Tränen freien Lauf gelassen. Aber es wollte nicht besser werden.
Am nächsten Tag (Freitag, 29.02.08) brachte mich Papa und Mika in die Klinik. Leonie war bei Oma Edit und Opa Jürgen geblieben. Dann begann das Warten und damit wieder dieses Grübeln. Warum musste uns das treffen, wo wir uns die Entscheidung für ein 3. Kind ja ohnehin schon so schwer gemacht hatten? Was war passiert? Was habe ich falsch gemacht? Kann man überhaupt was falsch machen? Wie viel hast Du schon gespürt und mitbekommen von Deiner Umwelt? Wusstest Du schon, dass ich Dich lieb habe?
Die Sache als solches ging dann ganz schnell. Als ich aus der Narkose erwachte, fühlte ich mich ganz leer. Ich hatte nicht nur kein Pünktchen mehr in meinem Bauch, sondern ein großes Loch in meinem Herzen. Ich konnte immer nur weinen. Die Tränen liefen und liefen. Zwischendurch muss ich dann auch immer wieder eingeschlafen sein.
Auch jetzt, wo ich das hier schreibe, laufen mir immer wieder die Tränen über die Wangen. Ich fühle mich so hilflos und traurig. Es tut so weh. Wir hatten Dich doch schon so in unser Leben integriert. Weißt Du, dass wir schon probiert hatten, ob 3 Kindersitze nebeneinander auf die Rückbank im Auto passen? Wir hatten gemessen, ob wir das Schlafzimmer nicht in Leonies Zimmer verlegen. Wir sollten ganz günstig einen Geschwisterwagen bekommen. Es war schon so viel vorbereitet für Deine Ankunft. Den Mika hatte ich abgestillt, damit ich genügend Kraft hatte um Dich im Bauch zu ernähren. Er sollte auch schon zeitiger einen Kindergartenplatz bekommen.
Ich hoffe, Du verzeihst uns, dass wir jetzt aber auch an die Zukunft denken. Ich möchte diese Lücke, die Dein Sterben in unserer Familie hinterlassen hat, wieder füllen. Mit einem Baby. Deshalb haben wir Dich auch untersuchen lassen, damit wir genau wissen, was mit Dir passiert ist. Wir wollen nicht, dass eventuell mit dem nächsten Baby das Gleiche geschieht oder es dann ganz krank ist. Das und die Liebe zu Deinen Geschwistern und Deinem Papa ist es, was mir hilft, Deinen Verlust zu überstehen, die Hoffnung, das große Loch in meinem Herzen wieder zu füllen. Aber Dich werden wir nicht vergessen. Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, mein Pünktchen.
Auch Leonie hatte sich schon auf Dich gefreut. Immer wieder erzählte sie, dass wir bald 5 und eine richtige Familie sind mit 3 Kindern. Als ich ihr von Deinem Sterben erzählen musste, war sie ganz betroffen. Sie hat mich gefragt, wie das ist, wenn Du gestorben bist und ich habe versucht, ihr das zu erklären.
Heiraten werden wir trotzdem, aber ohne großes Feiern, denn das wäre nicht echt.
Mein liebes Pünktchen, auch wenn wir mit einem neuen Baby versuchen werden, Deinen Verlust auszugleichen, wirst Du immer in meinem Herzen wohnen. Du hast in meinem Bauch vom 8. Dezember bis zum 19. Februar gelebt, über 10 Wochen, und mich von innen gewärmt. Und dafür danke ich Dir.
Deine Dich liebende und um Dich trauernde Mama
© Silvia
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